Dr. Andreas Rickert | Vorstandsvorsitzender, PHINEO gAG
WIRTSCHAFTLICHE SITUATION

Der Corona-Hilfsfonds für die Zivilgesellschaft

Die Auswirkungen der Corona-Krise erfordern Solidarität und Zusammenhalt. Die Idee: Ein Corona-Hilfsfonds für von Corona wirtschaftlich betroffene gemeinnützige Organisationen.

Ein Beitrag von Dr. Andreas Rickert, Vorstandsvorsitzender der PHINEO gAG.

Corona ist ein Stresstest für die ganze Gesellschaft. In Regionen mit besonderen sozialen, demographischen und demokratischen Herausforderungen zeigen sich die Auswirkungen der Corona-Krise besonders stark. Verschiedene Studien zeigen, dass sich gerade in Regionen in den östlichen Bundesländern zahlreiche dieser Herausforderungen überlagern und gegenseitig verstärken. Zivilgesellschaftliches Engagement sowie Einsatz für Toleranz und vielfältiges Miteinander können dieser Entwicklung entgegenwirken. Die Zivilgesellschaft in Ostdeutschland ist jedoch leider generell mit eher knappen finanziellen Ressourcen ausgestattet. Auch wenn sich daraus noch keine Aussagen über konkrete Fördertätigkeiten treffen lassen: Nur ca. 7% der deutschen Stiftungen haben ihren Sitz in einem der östlichen Bundesländer.

Mit der lange befürchteten zweiten Infektionswelle verstärkt sich nun überall der wirtschaftliche Druck, auch auf die Zivilgesellschaft. Da gemeinnützige Organisationen in der Regel keine Rücklagen bilden können, führen ausbleibende Einnahmen und zurückgehende Spenden oder Förderungen gerade bei kleinen und mittleren Organisationen schnell zu einer existenziellen Bedrohung. Deshalb haben wir im Sommer den Corona-Hilfsfonds für die Zivilgesellschaft ins Leben gerufen, der in Not geratenen und wirkungsvoll arbeitenden Organisationen nachhaltig durch die Krise helfen soll.

Seither kam gut eine halbe Million Euro zur Unterstützung kleiner und mittlerer Organisationen zusammen. Zu den Fördernden gehören u.a. die Heidehof-Stiftung, UPS, United Way Worldwide, die 3M-Foundation und die ökologische Suchmaschine Ecosia. Erstmals haben wir einen Spendenfonds auch für Kleinspenden von Privatpersonen geöffnet.

Seit Anfang August können sich in Not geratene Organisationen und Vereine um Fördermittel aus dem Hilfsfonds bewerben. Im online-Bewerbungstool haben sich seitdem knapp 350 Organisationen registriert. Von 180 Organisationen wurden Fördersummen in Höhe von insgesamt 2,4 Mio. Euro angegeben. Rund 50 Organisationen haben eine vollständige Bewerbung eingereicht mit beantragten Fördervolumen von insgesamt 1,5 Millionen Euro. Da die Fördermittel wirkungsorientiert und nicht mit der Gießkanne verteilt werden, wird jeder Antrag eingehend geprüft. Bislang sind sieben Förderzusagen über eine Gesamtfördersumme von ca. 135.000 Euro erfolgt. Die höchste Einzelförderung liegt aktuell bei 47.000 Euro.

Die Bewerbungen für den Hilfsfonds zeigen, dass viele Organisationen nicht nur aktuell mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten kämpfen, sondern mit großer Sorge in die Zukunft blicken. Auch dringend erforderliche Investitionen in tragfähige digitale Infrastrukturen können von vielen nicht geschultert werden. Ob Hausaufgabenhilfe, Betreuung älterer Menschen oder Sportangebote für Menschen mit Beeinträchtigungen: Ohne zusätzliche Unterstützung werden viele Organisationen die für ihre Zielgruppen so wichtige Projektarbeit einstellen müssen – mit unabsehbaren Folgen für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land. Deshalb werben wir bei Fördernden genauso wie in der Politik weiter für Unterstützung. Zivilgesellschaftlichen Engagement ist unverzichtbar für eine zusammenhaltende Gesellschaft und eine widerstandsfähige Demokratie.

Die Bewerbungsfrist für NPOs läuft vorerst bis 15. November 2020. Eine Fortführung des Corona-Hilfsfonds im Jahr 2021 ist aktuell im Gespräch. Alle Infos und der Link zum Bewerbungsformular finden sich unter www.corona-hilfsfonds.org.

Redaktion: Dr. Andreas Rickert, Vorstandsvorsitzender, PHINEO gAG
(Bildquellen: Porträt-Foto @PHINEOgAG / Sympolbild für Beitrag: @DuyPham/unsplash)

Veröffentlichung: 5. November 2020

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