MITTELSTAND / WIRTSCHAFTSSTANDORT

5G-Ausbau zur Schließung „weißer Flecken“ nutzen!

5G ist derzeit ein besonders heißes Eisen in der deutschen politischen Debatte. Aktueller Anlass ist die kommende Frequenzversteigerung der Bundesnetzagentur. Mittlerweile häufen sich hierzu die täglichen Meldungen und Medienberichte über deren Auswirkungen auf die zukünftige Mobilfunkversorgung in Deutschland. Zuletzt haben die drei Mobilfunkbetreiber (Deutsche Telekom, Telefonica sowie Vodafone) angekündigt, gegen die – in ihren Augen viel zu hohen – Auflagen der Frequenzversteigerung zu klagen. Die technischen Vorteile des 5G-Standards und der Zusammenhang zum Glasfaserausbau waren bereits Thema unseres jüngsten INFOPORTs zu Industrie 4.0: Die Transformation im Osten.

Worum geht es?

Ende November 2018 hat die Bundesnetzagentur ihren Fahrplan und die Bedingungen für die Versteigerung zusätzlicher Mobilfunkfrequenzen im Zuge des geplanten 5G-Ausbaus festgelegt. Die Vergabebedingungen sehen vor, dass die Mobilfunknetzbetreiber bis Ende 2022 mindestens 98% der Haushalte je Bundesland mit mindestens 100 Mbit/s anbinden müssen.

Bereits 2015 hatte die Bundesnetzagentur im Rahmen der Digitalen Dividende II Frequenzen an die Mobilfunknetzbetreiber versteigert. Die damalige Vorgabe lautete, 97% der Haushalte je Bundesland bis Ende 2019 mit mindestens 50 Mbit/s zu versorgen. Diese Bedingungen wurden von den Mobilfunkbetreibern bislang nur zum Teil eingelöst. Zwar ist die 4G-Versorgung in den ostdeutschen Bundesländern bis Mitte 2018 stark angestiegen und kratzt mittlerweile in jedem Bundesland an der 97%-Auflage (siehe Grafik). Bundesweit lag die 4G-Versorgung Mitte 2018 damit immerhin bei 95,2% der Haushalte. Dies entspricht in etwa 70% der bundesdeutschen Fläche. Die Vorgabe zur Mindestgeschwindigkeit wurde dabei bislang jedoch nicht eingehalten. Tatsächlich lag diese Mitte 2018 im Bereich ≥6 Mbit/s anstatt der geforderten ≥50 Mbit/s.

Die Ausrichtung der damaligen Vergabebedingungen auf die Erschließung der Haushalte hat zudem zu einer schlechten Versorgung der deutschen Autobahnen und ICE-Strecken geführt. Unterwegs ist Mobilfunk nach wie vor häufig unzuverlässig. Aus diesem Grund hat die Bundesnetzagentur nun auch entsprechende Erschließungspflichten für Autobahnen, Bundesstraßen, Schienenwege sowie Seehäfen beschlossen. Der Einbezug der Verkehrswege ist ein wichtiger Meilenstein für die Industrie wie auch die Verbraucher, die sich unterwegs häufig mit Funklöchern herumärgern müssen. Gleichzeitig ist aber nach wie vor fraglich, ob die festlegten Vergabebedingungen ausreichen werden, um die künftige Abdeckung der ländlichen Räume zu gewährleisten.

Das renommierte 5G Lab Germany aus Dresden hat berechnet, dass bei Ausnutzung der optimalen Frequenzen maximal 12.500 zusätzliche Mobilfunkstationen im ländlichen Raum errichtet werden müssten, um bundesweit eine nahezu flächendeckende 5G-Infrastruktur bereitzustellen. Bei angenommenen Kosten von ca. 600.000 Euro (inkl. Glasfasererschließung) pro Station würden insgesamt ca. 7,5 Mrd. Euro Ausbaukosten im ländlichen Raum anfallen. Voraussetzung hierfür wäre jedoch ein räumlich begrenztes Roaming, d.h. die lokale Öffnung der Mobilfunknetze für Kunden der Wettbewerber. Würden hingegen sämtliche Netzbetreiber zu einem flächendeckenden Ausbau des eigenen Netzes im ländlichen Raum verpflichtet, müssten in einem deutlich größeren Umfang neue Mobilfunkstationen errichtet werden. Die Gesamtkosten wären dementsprechend wesentlich höher.

Die in den 5G-Vergabebedingungen festgelegte Mindestversorgung sollte in erster Linie den ländlichen Raum stärken, wo ein eigenwirtschaftlicher Ausbau durch die Netzbetreiber aufgrund der geringen Haushaltsdichte wenig lukrativ ist. Es bedarf daher innovativer Ansätze, um die „weißen Flecken“ von der deutschen Mobilfunklandkarte tilgen zu können. Die in den Vergabebedingungen geforderten 500 neuen Mobilfunkstationen in „weißen Flecken“ mit mindestens 100 Mbit/s-Anbindung reichen dafür jedoch nicht aus. Ein denkbarer Ansatz wäre hingegen die Forcierung des räumlich begrenzten Roamings.

Positionen

Mit dem 5G-Standard wird der Zugang zu einem schnellen Mobilfunknetz noch stärker an Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Räume gewinnen. 5G ermöglicht völlig neue Digitalisierungsoptionen für die Unternehmen vor Ort. Dies gilt unter anderem auch für die Landwirtschaft. Dafür bedarf es jedoch einer möglichst flächendeckenden Infrastruktur, die nicht nur auf die Abdeckung der einzelnen Haushalte und Verkehrswege fokussiert ist, sondern beispielsweise auch landwirtschaftliche Flächen mitabdeckt. Die nun festgelegten Vergabebedingungen werden allerdings nicht zu einer flächendeckenden Versorgung führen. Es gilt daher, diese unterversorgten ländlichen Räume gezielt durch zusätzliche Maßnahmen an das Mobilfunknetz der Zukunft anzuschließen. Denn eine nachhaltig moderne Infrastruktur ist Zukunftsinvestition und Daseinsvorsorge zugleich. Es ist höchste Zeit, dass Bürger und Unternehmen Fortschritte sehen.

Mit dem 5G-Standard wird der Zugang zu einem schnellen Mobilfunknetz noch stärker an Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung der ländlichen Räume gewinnen. 5G ermöglicht völlig neue Digitalisierungsoptionen für die Unternehmen vor Ort und steigert zudem die Attraktivität dieser Regionen.

Michael Kotzbauer
Vorstandsvorsitzender, Ostdeutscher Bankenverband