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Startups: Sprung über das „Tal des Todes“

Für eine lebendige Innovationslandschaft in Ostdeutschland

Worum geht es?

In Ostdeutschland hat sich mittlerweile eine lebendige Startup-Landschaft gebildet. Neben dem europaweit herausragenden Cluster in Berlin, wagen zahlreiche junge Unternehmer auch in dynamischen Städten wie Jena, Erfurt oder Leipzig den Sprung in die Unabhängigkeit. Mit innovativen Geschäftsmodellen starten sie mit viel Elan und Selbstvertrauen in ihr Unterfangen. Möglichst rasch müssen diese dabei einen positiven Cash-Flow generieren, um einen nachhaltigen Erfolg des Unternehmens sicherzustellen. Auf dem Weg dorthin scheitern jedoch viele Unternehmer im sogenannten „Tal des Todes“.

Wie überwindet man das Tal?

Skalierung des eigenen Geschäftsmodells erfordert langen Atem.

Viele Geschäftsmodelle erfordern eine Mindestnachfrage bevor sie wirtschaftlich tragfähig werden. Dabei haben die Unternehmen auf dem Weg zu einem positiven Cash-Flow eine kritische Phase zu überstehen, in der sie ihre Marktnachfrage möglichst schnell steigern müssen – das „Tal des Todes“. Die ersten Kunden eines Startups, die „Early Adopters“, sind noch relativ schnell zu gewinnen. Als technisch affine und für neue Lösungen offene Kunden, lassen sie sich einfacher für innovative Produkte mobilisieren. Danach aber stehen die Startups vor der Fragestellung, wie sie ihr Produkt effektiv in breite Zielgruppen tragen können. Gleichzeitig kommen in dieser Geschäftsphase häufig schwindende Eigenkapitalreserven hinzu. Ohne positiven Cash-Flow ist es zudem auch für die Banken noch nicht möglich, dem Startup mit Krediten während dieser Durststrecke auszuhelfen.

Jedes Geschäftsmodell erfordert eine individuelle Lösung.

 

Zur Vermeidung des „Tals des Todes“, gibt es keine Patentrezepte. Bei der Modellierung des Geschäftsmodells kann es dem Startup beispielsweise helfen, den eigenen Markt zunächst sehr eng auszulegen. Löst das Produkt das Problem einer kleinen, aber sehr aktiven Kundengruppe, kann möglicherweise schon frühzeitig ein positiver Cash-Flow generiert werden. So konzentrierten sich die Gründer des Unternehmens Paypals zunächst auf professionelle Verkäufer auf Ebay. Diese zwar nur sehr kleine Kundengruppe nutzte den Zahlungsservice aber so intensiv, dass Paypal über die eingenommenen Transaktionskosten sehr schnell die Gewinnschwelle erreichen konnte. Die weiteren Expansionsbestrebungen konnten anschließend überwiegend aus eigenen Mitteln und einzelnen Krediten finanziert werden.

Erfahrungsaustausch im eigenen Netzwerk ist eine entscheidende Komponente.

Da sich diese Vorgehensweise aber nicht immer auf das eigene Geschäftsmodell übertragen lässt, kommt dem Netzwerk des Startups eine entscheidende Rolle zu. In schwierigen Zeiten ist der Austausch von Erfahrungen, Tipps und Kontakten zwischen einerseits Startups untereinander als auch zwischen Startups und bereits etablierteren Unternehmen eine kritische Komponente, die den Unterschied zwischen Scheitern und Erfolg machen kann. Oftmals finden sich Problemlösungen bei Startups, die bereits in eine spätere Entwicklungsphase eingetreten sind und von ähnlichen Erfahrungen berichten können. Manche entscheidenden Hinweise finden sich auch bei Gründungen in anderen Branchen, deren Lösungen man analog auf das eigene Finanzierungsmodell übertragen und anpassen kann.

Fruchtbare Böden für das Netzwerken: Leipziger Spinlab und Vinn:Lab der TH Wildau.

Dazu brauchen die Gründer jedoch belastbare Netzwerke. Hier können sogenannte Startup Accelators und Inkubatoren in der Anfangsphase unterstützend wirken. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist das Leipziger Spinlab, das in der ehemaligen Baumwollenspinnerei Leipzigs angesiedelt ist. Dort treffen junge Unternehmer auf Gleichgesinnte, Mentoren und Coaches und können bereits in der Gründungsphase auf natürliche Weise wichtige Kontakte nebenbei knüpfen. Auch Maker Spaces können solche fruchtbaren Begegnungen ermöglichen. Im Venture Innovation Lab (kurz ViNN:Lab) der TH Wildau können Rapid Prototyping Technologien, wie 3D-Drucker, von Machern für die Umsetzung und Austüftelung eigener Ideen genutzt werden. Mit ihrem Maker Space bietet die TH Wildau damit einen innovativen Raum an, in dem eigene Prototypen entwickelt und gleichzeitig ein Austausch zwischen Gründern, Unternehmen und der Hochschule stattfinden kann.

Positionen

Für eine positive Entwicklung der Innovationslandschaft in Ostdeutschland bedarf es vieler junger Gründer, die den Mut aufbringen eine Geschäftsidee in die Tat umzusetzen. Hier gilt es, das Unternehmerbild weiter nach vorne zu bringen und die nachfolgenden Generationen frühzeitig für das Unternehmertum zu begeistern.

Um auch langfristig Erfolg zu haben, ist der Austausch innerhalb der Startup-Ökosysteme ein wesentlicher Faktor. Dazu braucht es lokale Denkräume und Plattformen auf denen echte Begegnungen stattfinden können. Gründer sollten nicht im stillen Kämmerchen an ihren Ideen feilen, sondern möglichst rasch Arbeits- und Denkräume aufsuchen, in denen sie auf andere Macher treffen. Sie finden diese Räume u.a. in Co-Working Spaces, Inkubatoren oder Maker Spaces.

Marco Muser

„Der Startup-Standort Ostdeutschland ist weiter im Aufwind. Für den nachhaltigen Erfolg braucht es aber eine noch stärkere Innovationscommunity. Das Netzwerk der Gründer kann den Unterschied zwischen Erfolg und Scheitern des Unternehmens machen.“

Marco Muser
Referent, Ostdeutscher Bankenverband