MITTELSTAND / WIRTSCHAFTSSTANDORT

Steigende Erwerbstätigkeit - Fachkräfte zunehmend gesucht

Von der bisher guten konjunkturellen Situation in Deutschland hat auch der Arbeitsmarkt profitieren können. Im Durchschnitt des Jahres 2018 waren 44,8 Millionen Menschen erwerbstätig. Mehr als jemals zuvor seit der Wiedervereinigung.

Auch der Osten hat profitieren können. Die Erwerbstätigkeit – insgesamt, mit all´ ihren Formen – ist gestiegen. Zugleich zeigen die jüngst veröffentlichten Daten für 2017, dass sich die positive Entwicklung in einer Vielzahl von kreisfreien Städten und Landkreisen wiederfindet. Bei breiter regionaler Streuung verzeichnete der Landkreis Dahme-Spreewald gegenüber dem Vorjahr mit einem Plus von 3,7% den höchsten Zuwachs an Erwerbstätigen.

FACHKRÄFTE:

Wichtige Voraussetzung für zukunftsfähigen Wirtschaftsstandort

Trotz konjunktureller Unsicherheitsfaktoren wie Brexit und Handelskonflikte, sollte die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt anhalten – wenngleich nicht ganz so dynamisch wie in der Vergangenheit. Einerseits ist dies erfreulich, gerade auch mit Blick auf die Situation der einzelnen Arbeitnehmer und Familien.

Andererseits ist die Entwicklung ein Indiz dafür, dass Unternehmen in zahlreichen Berufen geeignete Bewerber über längere Zeiträume nicht finden können. Damit verschärft sich eines der drängendsten Probleme für den Wirtschaftsstandort. Grundsätzlich ist der Mangel von Fachkräften in bestimmten Branchen oder Berufsbildern ein bundesweites Phänomen. Der Wettbewerb um qualifiziertes Nachwuchspersonal wird sich weiter intensivieren. Dem muss sich der Mittelstand in allen ostdeutschen Regionen – unter den schwierigeren demografischen Rahmenbedingen hierzulande – stellen.

Sicherung der Fachkräftebasis: Herausforderung für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft!

Der Handlungsbedarf zur Fachkräftesicherung ist vielschichtig: Von der Bildungspolitik über die Personalpolitik der Unternehmen bis hin zur besseren Nutzung vorhandener Arbeitskräftepotenziale.

1.
Unternehmerische Maßnahmen

Personalpolitik ist ein zentrales Strategiethema für die Unternehmen. Die verfügbaren Instrumente zur Fachkräftegewinnung/-bindung sollten offensiv genutzt werden. Dazu zählen attraktive Aus-/Weiterbildung, Angebote zur Flexibilisierung der Arbeitszeit oder für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Unterstützend wirken Maßnahmen von Netzwerken, Kammern, Branchenverbänden etc.

2.
Bildungspolitik

Fortlaufend muss an den Maßnahmen zur Verbesserung des Bildungsniveaus gearbeitet werden. Intensiviert werden sollten etwa die frühkindliche Bildung, die Vermittlung von technisch-naturwissenschaftlichem und wirtschaftlichem Wissen sowie die Praxisorientierung in Schulen und Hochschulen. Auch wäre eine engere Koordination der Bildungspolitik im gesamten Bundesgebiet wünschenswert.

3.
Potentiale/Rahmenbedingungen

Noch stärker als bisher, sollten unzureichend genutzte Reserven am Arbeitsmarkt erschlossen werden. Dazu zählen die stärkere Mobilisierung von Älteren, die Steigerung der Erwerbstätigkeit von Frauen sowie eine bessere Integration von Menschen mit Behinderungen. Hierzu müssen auch die Rahmenbedingungen entsprechend gestaltet werden (z.B. in der Kinderbetreuung).

4.
Zuwanderung

Die deutsche Gesellschaft muss aufgeschlossener für qualifizierte Zuwanderer werden. Gut ausgebildete, gesellschaftlich und wirtschaftlich integrierte Einwanderer sind ein Gewinn und die einzige zeitnahe Option, um die Alterung und Schrumpfung der Bevölkerung abzumildern. Der jüngst vorgelegte Entwurf des Fachkräftezuwanderungsgesetzes ist daher zu begrüßen.

Fachkräfte sind für die Perspektiven der Unternehmen und des Wirtschaftsstandorts von entscheidender Bedeutung. Sie sind sie die wichtigste Basis für jegliche Wachstumsstrategien – von Innovationen bis hin zur Erschließung neuer Märkte.

Achim Oelgarth
Geschäftsführender Vorstand, Ostdeutscher Bankenverband