MITTELSTAND / WIRTSCHAFTSSTANDORT

Wirtschaftspolitische Agenda für den Standort Deutschland

Den Wirtschaftsstandort prägt der Mittelstand, insbesondere die Vielzahl der kleinen Unternehmen. Die Rahmenbedingungen müssen daher so optimiert werden, dass die bestehenden Unternehmen weiter wachsen können und neue Unternehmen gegründet werden. Was wir benötigen, ist eine wirtschaftspolitische Wachstumsstrategie. Diese umfasst Investitionen in die öffentliche Infrastruktur ebenso wie etwa Verbesserungen in der Bildungspolitik oder die gezielte Förderung der Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Zudem dürfen wir nicht nur über Digitalisierung reden. Vielmehr ist auch die Verwaltung bei der digitalen Gestaltung ihrer Prozesse und Zugänge gefragt. Und letztlich muss die notwendige digitale Infrastruktur, gerade im ländlichen Raum, auch bereitgestellt werden.

Zunächst muss der immer noch bestehende Rückstau bei den öffentlichen Investitionen und hier vor allem beim Ausbau der Infrastruktur nachhaltig aufgelöst werden. Leistungsfähige Verkehrswege, eine sichere Energieversorgung und moderne Datennetze sind unverzichtbare Faktoren im internationalen Standortwettbewerb. Angesichts der Digitalisierung aller Lebensbereiche sind neben dem Ausbau schneller Glasfaser-Datennetze aber auch umfangreiche Investitionen in die digitale Modernisierung der öffentlichen Verwaltung erforderlich.

Die Politik kann zugleich dazu beitragen, die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft weiter zu verbessern. Stichworte hierzu sind etwa die gezielte Förderung der Gründungsbereitschaft sowie eine Bildungspolitik, die die bestmöglichen Grundlagen für gut ausgebildete Arbeitskräfte schafft.

Die neue Bundesregierung will gemäß Koalitionsvertrag diese Themen angehen – dies ist zu begrüßen. Bei der Umsetzung wird es indes vielfach auf eine optimale Koordination der Landes- und Gemeindeebene ankommen. Zudem können angesichts knapper Verwaltungskapazitäten für Planung und Genehmigung sowie knapper Kapazitäten der Bauwirtschaft nicht alle Infrastrukturlücken gleichzeitig geschlossen werden.

Daher ist es wichtig, bei der Projektrealisierung mit Blick auf den gesamtwirtschaftlichen Nutzen von Einzelvorhaben die richtigen Prioritäten zu setzen sowie Planungsverfahren zu beschleunigen. Selbstverständlich ist neben dem Staat auch die Wirtschaft gefordert, sich den für sie relevanten Zukunftsaufgaben zu stellen.

Für die mittelständischen Unternehmen in Ostdeutschland bedeutet das primär, Antworten auf drei strategische Herausforderungen zu finden:

1.

Produkte und Produktionsprozesse durch kontinuierliche Innovationen wettbewerbsfähig zu erhalten. Wie aktuelle Umfragen zeigen, schöpfen viele Mittelständler hierbei z.B. die Möglichkeiten nicht aus, die sich aus der Digitalisierung ergeben.

2.

Unternehmen mit exportfähigen Produkten sollten ihre Präsenz auf Auslandsmärkten in Europa und weltweit auszubauen, um am Wachstum in boomenden Weltregionen teilzuhaben.

3.

Nachwuchssicherung bleibt eine Daueraufgabe — von Facharbeitern und Handwerkern über Ingenieure und Bürokräfte bis hin zur Nachfolge in der Betriebsführung. Auch betriebliche Innovations- und Digitalisierungsprozesse sowie Strategien zur Erschließung ausländischer Märkte lassen sich ohne qualifizierte Mitarbeiter nicht realisieren.

Insgesamt hat der Osten gute Wachstumsperspektiven. Aber: Auf die richtige Weichenstellung in Politik und Wirtschaft kommt es an.