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„(K)eine Ahnung von der Kohle“: Wie wir beim eigenen Geld schlauer werden
„Wissen ist Macht, nichts wissen macht auch nichts.“ Dieser Sponti-Spruch aus den 1970ern war noch niemals so falsch und leider doch so zutreffend wie heute – und zwar bei einem ganz bestimmten Thema: das eigene Geld. Finanzielles Unwissen ist ein extrem weit verbreitetes Phänomen. Und das in einer Zeit, in der angesichts wackelnder staatlicher Altersvorsorge auf der einen und schier grenzenlosem digitalen Konsum auf der anderen Seite nichts wichtiger wäre, als gut und vorausschauend mit den eigenen Finanzen umgehen zu können.
Gerade junge Menschen sind betroffen. Rund ein Fünftel der 14- bis 29-Jährigen lebt bereits mit Schulden. Ursachen sind unter anderem leicht zugängliche Ratenzahlungen und „Buy now, pay later“-Modelle, die Konsum erleichtern, aber finanzielle Risiken verschleiern. Gleichzeitig geben 80 Prozent der jungen Menschen an, in der Schule kaum etwas über Finanzen gelernt zu haben; 89 Prozent wünschen sich jedoch mehr Finanzbildung.
Obwohl Deutschland im OECD-Vergleich beim Gesamtindex zur Finanzbildung gut abschneidet, spiegelt sich dieses Wissen nicht automatisch im Alltag wider. Finanzielle Bildung darf daher nicht graue Theorie bleiben, sondern muss Menschen befähigen, ein Budget zu planen, Ausgaben zu kontrollieren, Schulden zu vermeiden und langfristig Vermögen aufzubauen.
Schulische Finanzbildung hat hier eine zentrale Bedeutung. Der Bayerische Landtag fordert beispielsweise in einem aktuellen Antrag der CSU, finanzielle Bildung an allen Schularten deutlich zu stärken und Themen wie Haushaltsplanung, Schuldenprävention, Vermögensaufbau und Altersvorsorge verbindlich zu verankern. Finanzbildung soll von der Grundschule bis zur beruflichen Bildung systematisch ausgebaut werden. Besonders in Familien mit geringem Einkommen oder niedriger formaler Bildung werden finanzielle Kompetenzen seltener vermittelt. Schule ist nahezu die einzige Institution, die hier ausgleichend wirken kann – und so auch sozialen Aufstieg ermöglicht.
Lehrkräfte unterstützen den Handlungsbedarf: 92 Prozent wünschen sich mehr Raum für Finanz- und Wirtschaftswissen im Unterricht. Gleichzeitig fehlen oft geeignete Materialien und strukturelle Rahmenbedingungen. Deshalb werden neben Anpassungen bei den Lehrplänen auch Pilotprojekte und Kooperationen mit externen Partnern vorgeschlagen – selbstverständlich werbefrei, praxisnah und pädagogisch eingebettet.
Die Herausforderung besteht darin, Finanzbildung strukturell zu verankern: verbindlich im Schulunterricht, flankiert durch eine nationale Strategie sowie unterstützt durch geeignete Materialien und qualifizierte Lehrkräfte. Zwar existieren in allen Bundesländern Ansätze und curriculare Fahrpläne für ökonomische Bildung, ein eigenes und verbindliches Schulfach für diese Inhalte fehlt aber oftmals. Einzelne Länder gehen aber voran: In Bayern wurde ein entsprechender Vorstoß in den Landtag eingebracht, und Sachsen-Anhalt plant, ab dem Schuljahr 2026/2027 ein solches verpflichtend am Gymnasium einzuführen. Perspektivisch sollte ein solches Fach jedoch in allen Bundesländern und über alle Schulformen hinweg verankert werden.
Neben der Alltagskompetenz rückt ein zweiter Bereich in den Fokus: die Altersvorsorge. Der demografische Wandel stellt das umlagefinanzierte Rentensystem vor strukturelle Herausforderungen. Norbert Blüms „Die Rente ist sicher“ entlockt heutigen Beitragszahlern und Beitragszahlerinnen nur noch ein müdes Lächeln. Eine steigende Lebenserwartung und sinkende Geburtenraten bringen das Verhältnis von Beitragszahlern zu Rentenempfängern ins Ungleichgewicht. Politik setzt verstärkt auf betriebliche und private Vorsorgeformen. Damit verlagert sich Verantwortung zunehmend auf den Einzelnen.
Doch Eigenverantwortung braucht Wissen. Drei Viertel der ostdeutschen Seniorinnen und Senioren leben ausschließlich von der gesetzlichen Rente. Mehr als ein Drittel der Menschen zwischen Ostsee und Erzgebirge, Harz und Lausitz sparen aktuell gar nicht für das Alter. Wenn kapitalgedeckte Elemente künftig eine größere Rolle spielen müssen, entscheidet eben genau finanzielle Kompetenz über einen gesicherten Lebensstandard im Alter.
Finanzielle Bildung ist deshalb keine Randnotiz, sondern ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag. Der Umgang mit dem eigenen Geld entscheidet heute stärker denn je über Sicherheit, Teilhabe und Lebensqualität. Dass es darum in einem noch immer reichen Land wie dem unseren nicht so gut bestellt ist, zeigen Daten aus dem Financial Wellbeing Score, einem Index des finanziellen Wohlbefindens: Der Score, erhoben von dem House of Finance & Tech Berlin, beträgt lediglich 52,9 von 100 Punkten – ein überraschend niedriger Wert. Besonders alarmierend: 50 Prozent der Menschen sehen ihre finanzielle Lage als größte persönliche Sorge, 25 Prozent könnten ihre Lebenshaltungskosten bei Wegfall des Einkommens nicht einmal drei Monate decken.
Al diese Themen hat RBB 24 Inforadio in einer aktuellen Sendung aufgegriffen, zu der auch der Ostdeutsche Bankenverband beigetragen hat. „Keine Ahnung von der Kohle“ lautet der Titel, zu hören in der Mediathek (hier). Sicher kein schlechter Startpunkt, um beim eigenen Geld schlauer zu werden. Denn Wissen macht sehr wohl einen Unterschied.
Achim Oelgarth
Geschäftsführender Vorstand
Ostdeutscher Bankenverband e.V.
Veröffentlicht: 06. März 2024
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