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#FridayThoughts

Finanzbildung braucht die Länder

Wie aus der Strategie des Bundes eine nationale Aufgabe wird

Der erste Arbeitsvertrag, ein Kauf auf Raten, die eigene Altersvorsorge: Finanzielle Entscheidungen gehören zum Alltag. Ob junge Menschen darauf vorbereitet sind, darf weder vom Elternhaus noch von ihrer Schulform oder ihrem Bundesland abhängen. Genau daran muss sich die Finanzbildungsstrategie des Bundes messen lassen. Für die ostdeutschen Länder bietet sie die Chance, wirtschaftliche Teilhabe frühzeitig zu stärken. Dafür müssen sie den Impuls des Bundes jetzt in ihre Schulen tragen.

Ein wichtiger Anfang

Der vorliegende Strategieentwurf vom 7. September 2026 ist ausdrücklich zu begrüßen. Mit 37 Maßnahmen in sieben Handlungsfeldern reicht er von Haushaltsplanung und Schuldenprävention bis zu Altersvorsorge, Kapitalmarktbeteiligung und digitalen Finanzdienstleistungen. Eine Task Force unter gemeinsamer Federführung von Bundesfinanzministerium und Bundesbank soll die Umsetzung koordinieren und die Länder einbinden.

Die OECD-Bestandsaufnahme von 2024 bescheinigt Deutschland insgesamt gute Voraussetzungen, zeigt aber deutliche Unterschiede nach Einkommen und Bildungsstand. Wer wenig finanzielle Spielräume hat, verfügt häufig auch über weniger Finanzwissen. Schule kann diesen Zusammenhang durchbrechen. Gerade in Ostdeutschland, wo viele Familien auf geringere Vermögenspolster zurückgreifen können, hat das besonderes Gewicht. Finanzbildung allein schließt keine Vermögenslücke. Sie hilft aber, Risiken einzuschätzen und Chancen auf Vermögensaufbau wahrzunehmen.

Gleiche Chancen trotz unterschiedlicher Lehrpläne

Bildung ist Ländersache. Der Bund kann deshalb kein Schulfach einführen. Aus seiner Strategie wird erst dann eine nationale Angelegenheit, wenn die Länder gemeinsame Ziele in verbindlichen Unterricht übersetzen. Finanzwissen darf keine Frage der Postleitzahl sein. Schülerinnen und Schüler brauchen unabhängig vom angestrebten Abschluss einen verlässlichen Zugang zu wirtschaftlichen Grundlagen.

Die ostdeutschen Länder beginnen dabei nicht bei null. Sachsen-Anhalt setzt mit dem für 2026/27 vorgesehenen Pflichtfach Wirtschaft in den Klassen 7 und 8 an Gymnasien einen wichtigen Akzent. Sachsen vermittelt ökonomische Inhalte unter anderem in Wirtschaft-Technik-Haushalt an Oberschulen und Gemeinschaftskunde/Rechtserziehung/Wirtschaft an Gymnasien; hinzu kommt seit 2025/26 das schulspezifische Profil „Unternehmerische Bildung“. Berlin verankert Finanzthemen unter anderem im Pflichtfach Wirtschaft-Arbeit-Technik an Integrierten Sekundar- und Gemeinschaftsschulen sowie in der schulformübergreifenden Verbraucherbildung.

Diese Wege bieten Anknüpfungspunkte. Ein Wahlangebot erreicht nicht alle, ein Querschnittsthema braucht klare Zuständigkeiten. Maßstab muss sein, was jede Schülerin und jeder Schüler am Ende tatsächlich kann: ein Budget planen, Kreditkosten verstehen, Chancen und Risiken einer Geldanlage abwägen und unseriöse Versprechen erkennen.

Verbindlichkeit statt Zufall

Wir halten deshalb an einem Pflichtfach „Wirtschaft & Finanzbildung“ fest. Bis dahin müssen die Länder entsprechende Inhalte verbindlich in bestehende Fächer integrieren – mit gesicherter Unterrichtszeit, überprüfbaren Lernzielen und qualifizierten Lehrkräften. Dazu gehören Fortbildungen und gute Materialien. Die ostdeutschen Bildungs- und Finanzressorts sollten hierfür gemeinsam konkrete Umsetzungsschritte vereinbaren und erfolgreiche Ansätze teilen.

Auch der Bund muss Verbindlichkeit schaffen: Die Koordinierung braucht eine dauerhafte institutionelle Verankerung über den zunächst vorgesehenen Fünfjahreszeitraum hinaus. Die Plattform „Mit Geld und Verstand“ sollte zu einer zentralen Suchmaschine für hochwertige Finanzbildungsangebote weiterentwickelt werden. Bestehende Angebote öffentlicher, privater und zivilgesellschaftlicher Akteure gehören einbezogen. Voraussetzung sind klare Qualitätsstandards, Transparenz und Werbefreiheit. Evaluation muss zeigen, wen die Angebote erreichen und was sie bewirken.

Die ostdeutschen Länder können hier vorangehen. Ihr gemeinsamer Anspruch sollte sein: Jeder junge Mensch verlässt die Schule mit dem Wissen, finanzielle Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen. So wird aus einer Bundesstrategie eine nationale Aufgabe – und aus Finanzbildung eine konkrete Chance auf mehr Teilhabe.

Mehr erfahren:

Der Bankenverband stellt noch weiterghende Informationen rund um das Themenfeld “Finanzielle Bildung” auf seiner Website zur Verfügung, u.a.:

Frauke Revermann
Leiterin Finanzbildung
Bundesverband deutscher Banken

Christopher Suhr
Referent Wirtschaftspolitik
Ostdeutscher Bankenverband

Veröffentlicht: 1. Oktober 2026

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