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Björn Bloss, Geschäftsführer von WeCreate

#ErfolgeOst

Bildet Banden!

„WeCreate“ aus Leipzig will der etwas eingeschlafenen Demokratie wieder auf die Sprünge helfen: mit einer digitalen Toolbox, die engagierte Bürgernetzwerke, Parteifreunde, Teams, Kommunen und Initiativen zusammenbringt. Das Modell ist marktreif, das Team steht. Jetzt soll das Unternehmen auf die Startrampe – auch mit Unterstützung neuer Investoren.

Sie haben es bis zu Lars Klingbeil ins Willy-Brandt-Haus geschafft. Doch der SPD-Chef senkte nach einer Präsentation den Daumen. Vielleicht, so vermuten die jungen Startup-Gründer, fürchtete er eine neue Macht von unten?  Denn das Leipziger Team hat ein digitales Werkzeug entwickelt, mit dem sich Menschen effizient organisieren und politische Initiativen schnell und wirkungsvoll umsetzen können: WeCreate.

Mit der Kollaborationsplattform werden aus ersten Ideenskizzen rasch konkrete Anträge – und greifbare Erfolge, sagt Björn Bloss, der Kopf des jungen Unternehmens. „WeCreate ist eine Toolbox für Teams, die unkompliziert zusammenarbeiten wollen – an einem Ort, skalierbar und erfolgreich.“ Die neue digitale Beteiligungsplattform ermöglicht es, in einer einzigen App neue Gruppen zu bilden, zu chatten und Nachrichten zu schreiben, Kalender zu führen, Aufgaben zu verteilen und Dateien auszutauschen – alles gebündelt in einer Anwendung, für wenige Euro im Monat.

WeCreate vereint klassische Werkzeuge für Netzwerke wie WhatsApp, E-Mail, WeTransfer, Dropbox, Slack und Google Drive, die sonst verstreut, unübersichtlich und mit eigenen Logins verbunden sind, an einem Ort. So sollen sich Parteifreunde, Vereine, Mannschaften und Bürgergruppen schneller und schlagkräftiger zusammenfinden und organisieren können. Zugleich sollen sich solche „WeCreate-Banden“ auf Marktplätzen untereinander austauschen und ihre Initiativen einfacher veröffentlichen können – und das auf Servern in Europa statt in den USA.

Begonnen hat die Produkt-Idee mit der guten alten Tante SPD. Björn Bloss, der aus Stuttgart stammt und ab 2007 in Leipzig Stadtentwicklung studiert hat, engagierte sich seit einigen Jahren in der Partei. Auch für den Leipziger Stadtrat hat er schon kandidiert. Die endlos langen Mühlen in der Sozialdemokratie haben ihn dann bewegt, eine Abkürzung zu finden. Sein Ziel: Die Basis schneller zusammenbringen und Entscheidungsprozesse beschleunigen – wenn möglich, von mehreren Jahren auf wenige Wochen.

Zeitweise nutzten schon mehr als 2000 Genossinnen und Genossen ihr parteiinternes Tool, erzählt Bloss. Nach der Absage von Klingbeil ließ sich der 39-Jährige daher nicht entmutigen. Im Gegenteil. Zusammen mit seinem einstigen Mitbewohner und langjährigen Freund Enrico Hofmann, einem Wirtschaftsinformatiker, entwickelte er die Idee weiter. Hofmann, der aus dem Erzgebirge stammt, hatte nach dem Studium in Leipzig Fuß gefasst, er arbeitet heute freiberuflich als Spezialist für IT und KI unter anderem für Landesbanken.

2021 gründete das Duo das Unternehmen im Rahmen des Exist-Programms der Universität Leipzig: Es unterstützt innovative, technologie- und wissensbasierte Gründungsideen mit Stipendien. Inzwischen ist WeCreate auf acht Mitarbeitende angewachsen. Das Team entwickelt sein Produkt in den Spin-Offices auf dem Gelände der Leipziger Baumwollspinnerei weiter – ein historischer Ort mit lebendiger Kulturszene, an dem schon viele Startups auf der Startrampe standen.

Zu den Mitgründern und Mitgesellschaftern von WeCreate gehören auch der IT-Experte und Politikwissenschaftler Jonas Döring sowie der Designer und Produktentwickler Robert Matzke. Zusammen mit Bloss und Hofmann verstehen sie sich augenzwinkernd als „Fanta4 des gesellschaftlichen Engagements“. Hinzu kommen vier junge Software-Entwickler und Coder, die für sie in Ruandas Hauptstadt Kigali arbeiten. Sie haben sich über das Internet kennengelernt.

Nachdem sie ihr Produkt mittlerweile marktreif gestaltet haben, wollen die Macher von WeCreate auch Investoren an Bord holen. „Wir sprechen mit einer Handvoll Business Angels und Beteiligungsgesellschaften, um den Vertrieb zu skalieren“, sagt Bloss. Seit der Gründung hat WeCreate zunächst unterschiedliche Fördermittel und Stipendien eingeworben, Eigenmittel eingesetzt und erste Kunden betreut. Darunter waren verschiedene SPD-Organisationen in Ost und West, die Städte Magdeburg und Ratingen und das Unternehmen „Unser Schopp“, das automatisierte Container-Dorfläden aufstellt. „Die ersten 900.000 Euro der Aufbauphase haben wir gebootstrapped“, erzählt Bloss. „Jetzt müssen wir stärker in die Öffentlichkeit.“

Als ihr Vorzeigeprojekt für digitale und analoge Vernetzung gilt die Stadt Zeitz. Dort begleitet WeCreate ein „Stadtlabor“, um Bürgerbeteiligung und kulturelle Initiativen zu stärken. Dabei war das Team auch vor Ort präsent: In einem eigens eingerichteten Laden luden sie zu Veranstaltungen und Workshops ein. Bloss: „Das Stadtlabor ist ein demokratischer Leuchtturm, und ein Erfolgsmodell, das nun als Blaupause für andere Städte dient.“ Geht die Idee auf, will WeCreate künftig weiter wachsen. „Wir wollen uns“, sagt Bloss, „zu einem bedeutenden Leipziger Unternehmen entwickeln.“

„Leipzig entwickelt sich wie kaum eine andere Stadt in Deutschland – und hat nach wie vor enormes Potenzial. Sie wird getrieben von Menschen, die etwas aufbauen und die Region voranbringen wollen, und sie lebt von dieser Energie. Als Stadt der friedlichen Revolution ist sie der ideale Ort für unseren basisdemokratischen Ansatz. Auch die Kultur, Natur und Lebensqualität machen sie zu mehr als einem Standort: Leipzig ist unser Heimathafen.“

Björn Bloss
Geschäftsführer | WeCreate GmbH

Interview und redaktionelle Bearbeitung durch: Sven Heitkamp | Freier Journalist | Leipzig
(Bildquellen: WeCreate und Eric Kemnitz/Spinlab)

Veröffentlicht: 9. Februar 2026

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