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Philip Liebenow, Co-Gründer, ginkgo Betriebliche Vorsorge

#ErfolgeOst

Im Zeichen des Ginkgo-Baums

Das Berliner FinTech-Startup Ginkgo holt die betriebliche Altersvorsorge aus der Mottenkiste und setzt sie neu auf: digital, transparent, provisionsfrei, ETF-basiert und jederzeit abrufbar. Gründer Philip Liebenow und Carl Meran bringen viel Erfahrung und Erfolge aus der Finanzbranche mit.

Berlin-Schöneberg, Winterfeldtstraße 21: rote Klinker, soweit das Auge reicht. Der gewaltige Bau aus den 1920er Jahren war einst das größte und modernste Fernamt der Reichspost. Heute betreibt die Telekom in dem historischen Komplex den hub:raum, ihren Tech-Inkubator, der Startups mit Infrastruktur, Kunden und Kapital zusammenbringt. Zwischen bunt gefliestem Kaffeetresen, Loungemöbeln und Veranstaltungstechnik sitzt Philip Liebenow, 43: Vollbart, Laptop, runde Brillengläser. Seine freundlichen blauen Augen leuchten, wenn er einem Gast sein Startup erklärt.

Ginkgo, sagt er, macht die betriebliche Altersvorsorge (bAV) einfacher, schneller, digitaler und rentabler – für Arbeitnehmer und Arbeitgeber. So sollen kleine und mittlere Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern attraktive Angebote bieten können wie sonst vor allem Konzerne mit großen Personalabteilungen. Nicht einmal die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland hat eine bAV, sagt Liebenow – trotz massiver Rentenlücken. Ginkgos Ziel sei es, dass Beschäftigte von Mittelständlern effizient vorsorgen, Rentenlücken schließen und Vermögen aufbauen können. Weitere Zielgruppe seien Unternehmen, die von der alten in die neue bAV-Welt wechseln wollen. Denn: Ein gutes Angebot zur Altersvorsorge gilt heute als ein wichtiges Argument für Arbeitgeber, um Fachkräfte zu finden und ans Unternehmen zu binden.

Die Verträge werden einfach über die „ginkgo“-App abgeschlossen und eingerichtet: komplett digital, provisionsfrei und wie ein ETF-Sparplan angelegt. „Anbahnungsgespräche mit Versicherungsagenten in teuren Anzügen und mit hohen Provisionen gibt es bei uns nicht“, sagt Liebenow. Ginkgo verschickt auch keine mehrseitigen Versicherungsstandmitteilungen per Post. „Die Nutzer können einfach jederzeit in die App schauen.“ Partner ist dabei die MyLife-Lebensversicherung als Teil der Ideal-Gruppe.

Das angelegte Geld bleibt weitestgehend bei den Beschäftigten – abzüglich einer Guthabengebühr von 0,6 Prozent im Jahr und einer Vertragsgebühr von einem beziehungsweise drei Euro im Monat, dies bedeute Effektivkosten ab lediglich 0,67 Prozent im Jahr. Zudem zahlen die Unternehmen Gebühren für die Dienstleistung, gestaffelt nach der Mitarbeiterzahl. Zu den Kunden zählen das FinTech Upvest, die Steuerberatungskanzlei FRP Tax aus Rostock, die Berliner Konsumgütermarken KoRo und Share, der Diagnostikanbieter Verisana, die Münchener Agentur Lovemark und die Rheinische Bahnpersonal- und Verkehrsgesellschaft.

gingko-Gründerteam Philip Liebenow und Carl Meran

Philip Liebenow

Die Software, sagt Liebenow, lässt sich in weniger als 30 Minuten an diverse HR- und Payroll-Schnittstellen wie DATEV anschließen, Mitarbeitende melden sich binnen weniger Minuten an. Schon bestehende bAV-Verträge könnten in der Plattform mit verwaltet, Beiträge monatlich geändert oder pausiert und ETFs einmal im Jahr kostenlos gewechselt werden. Beim Jobwechsel könne die GGinkgo-Vorsorge mitgenommen werden, sofern der neue Arbeitgeber zustimmt. Am Ende eines Berufslebens könnten dank Ginkgo zwischen 30.000 und 100.000 Euro mehr für die Rente bleiben als mit einer traditionellen bAV.

Liebenow und sein Kollege Carl Meran bringen den nötigen Hintergrund für ein solches Unternehmen mit. Der Lübecker Liebenow hat in Hamburg und Cambridge Jura studiert, über das Schuldverschreibungsrecht promoviert und gehörte zu den Führungsteams von Trade Republic und dem FinTech-Unicorn Moss. In seiner Zeit als Berater bei der Boston Consulting Group lernte er seinen heutigen Kompagnon kennen, den Softwareentwickler Carl Meran. Neben ihnen kümmern sich heute drei weitere Festangestellte und fünf Freiberufler um die Weiterentwicklung. Sie arbeiten an der Software und an neuen Kontakten, fahren auf Personalmessen, bespielen Digitalkampagnen und Podcasts. Zudem mischt sich das Ginkgo-Team ins politische Berlin ein. Sie haben sich ins Lobbyregister des Bundestages eintragen lassen und ein Positionspapier zur betrieblichen Altersvorsorge verfasst, um Reformen voranzutreiben.

Der Name „ginkgo“ ist dabei Programm. Das lebende Fossil aus Asien steht traditionell für Langlebigkeit, Beständigkeit und Widerstandskraft und wird mit Begriffen wie Hoffnung, Erneuerung und Zukunft verbunden. Ginkgo-Bäume können mehrere hundert Jahre alt werden und wurden endgültig zur Legende, als einige von ihnen den Atombombenabwurf auf Hiroshima überstanden. Bei einem Pretest mit potentiellen Kunden habe der Namensvorschlag deutlich mehr Sympathien gewonnen als ein technisches Kürzel, erzählt der Co-Gründer.

Für seinen Marktstart hat das Team Anfang vorigen Jahres 1,6 Millionen Euro Pre-Seed-Kapital in einer Finanzierungsrunde mit dem Münchner Lead-Investor Caesar eingesammelt. Eine weitere Runde für neues Wachstum ist angedacht. „Wir schauen uns um“, sagt Liebenow diplomatisch und blickt auf die Uhr. Er muss weiter, zum nächsten Meeting. Ginkgo soll wachsen, die Zeit drängt.

„Wir schätzen Berlin als lebenswerte liberale Weltstadt, die international anschlussfähig ist. Man kann mit vielen jungen Finanz- und Software-Talenten hier vor Ort zusammenarbeiten. Das ist kommunikativer und effektiver als digital verstreut in Onlinemeetings. Zudem bietet die Stadt ein Ökosystem für die FinTech-Szene mit Think Tanks wie dem House of Finance & Tech. Und auch die Wege zur Bundespolitik sind kurz – in Zeiten großer Reformen der Altersvorsorge ein weiterer Vorteil.“

Ginkgo-Co-Gründer Philip Liebenow

Interview und redaktionelle Bearbeitung durch: Sven Heitkamp | Freier Journalist | Leipzig
(Bildquellen: Ginkgo)

Veröffentlicht: 2. September 2026

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