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Alexander Jakschik, Geschäftsführer

#ErfolgeOst

Saubere Luft als Erfolgsmodell

ULT aus Löbau ist ein Hidden Champions aus der Oberlausitz. Das Familienunternehmen entwickelt seit mehr als 30 Jahren Hightech für gereinigte Industrieluft in Europa, Nordamerika und Asien. Eine Geschichte über Pioniergeist, gute Ideen und internationales Wachstum – made in Sachsen.

Am Rande des Örtchens Kittlitz bei Löbau, kurz vor dem Dreiländereck mit Polen und Tschechien, steht ein heller Flachbau mit blauen Fenstern. Über dem Eingang prangen große Buchstaben: ULT – Umwelt-Lufttechnik. Gleich hinter dem Empfang, in einem gläsernen Showroom, stehen die Produkte des Unternehmens: weiße Boxen auf Rollen, in verschiedensten Größen, modular aufgebaut, manche mit langen Absaugarmen. Die Geräte von ULT kommen in verschiedenen Branchen zum Einsatz: in der Medizintechnik und der Lebensmittelindustrie, bei Automobilzulieferern, in der Batteriezellenfertigung und Wasserstofftechnologie. Überall, wo geschweißt, gelasert, gelötet und gedruckt wird, filtern sie Dämpfe, Rauch und Stäube aus der Luft oder halten Produktionsräume trocken.

Von Kittlitz aus gehen die Geräte in alle Regionen Deutschlands, in die USA, Kanada und Asien – und alles vom äußersten Südosten der Republik aus. Alexander Jakschik, einer der beiden Geschäftsführer und Söhne des Gründers, sieht sich aber keineswegs in einer Randlage: „Wir liegen im Zentrum Europas.“ Es ist dieser Pioniergeist der Gründerfamilie, ihre Weitsicht und die Fähigkeit, individuelle Lösungen zu bauen, die das Unternehmen bis heute zum Vorreiter ihres Spezialgebiets machen. In der Branche gebe es einen Spruch, erzählt Jakschik bei einem Rundgang durch die lichtdurchfluteten Produktionshallen: „Wenn du nirgendwo eine Lösung findest, geh’ zu ULT.“

Rund 200 Beschäftigte sorgen heute dafür, dass die ULT-Gruppe Lösungen liefert, wo andere passen müssen – und schreiben aktuell gut 30 Millionen Euro Umsatz. Denn die Geräte gelten als besonders leise, energieeffizient und filtern Partikel selbst im feinsten Nanobereich aus der Luft. An einer der Werkbänke zeigt Jakschik auf den LAS 200, ein mobiles Absauggerät für Laserstäube – ein Bestseller des Hauses. Der Chef geht vorbei an einer Reihe von Filtertonnen für 3D-Druck und zeigt meterhohe Filteranlagen. Mal werden sie für die hochwertige Fertigung von Produkten benötigt, mal für den Gesundheitsschutz der Beschäftigten. Mal sind es mobile Geräte in der Größe eines Campingkühlschranks, mal containergroße Industrieanlagen. Auf der illustren Liste der Kunden stehen viele namhafte Industrieunternehmen, die aber um strenge Geheimhaltung bitten, sagt Jakschik.

Dass ULT heute als Hidden Champion gilt, hat viel mit dem Gründer zu tun: Christian Jakschik, heute 76 und Aufsichtsrat von ULT. Der promovierte Ingenieur hatte einst beim DDR-Technikkombinat Robotron in Görlitz gearbeitet und wechselte nach der Wende mit zu einem Unternehmen für Absaugtechnik. Als die Firma ihren Görlitzer Standort wieder schloss, wagte Jakschik Senior den Sprung in die Selbstständigkeit: Er spezialisierte sich auf individuelle Absaug- und Filtertechnik für saubere Luft in der Produktion. Sohn Alexander, Jahrgang 1982, erinnert sich gut an die Gründertage im Löbauer Wohnzimmer, an die Firmen- und Familiengespräche am Küchentisch und die Kundenanrufe, die er schon als Zwölfjähriger mit kindlicher Stimme annahm: „Wir Jungs waren von Anfang an dabei.“

Der Vater habe ein gutes Gespür für kommende Technologien und schon frühzeitig die Filtertechnik dafür entwickelt – wie für die additive Fertigung, die Batteriezellenproduktion und die Lasertechnik. Und er kümmerte sich früh um seine Nachfolge. Schon 2005 sagt der Seniorchef: „Schaut mal, ob das etwas für euch ist.“ Sein älterer Bruder Stefan promoviert in Dresden in Mikroelektronik, steigt 2011 ins Unternehmen und 2013 in den Vorstand ein. Alexander Jakschik studiert Wirtschaftsingenieur an der TU Dresden und ein Semester in Indonesien, später betreut als Produktmanager für Messetechnik US-Kunden im Vertrieb des SICK-Konzerns. 2014 folgt er seinem Bruder zurück nach Löbau. Im Jahr darauf, an seinem 66. Geburtstag, stellt sich der Gründer vor die Belegschaft, übergibt seinen Söhnen einen symbolischen Staffelstab – und fährt vom Hof.  Seither lässt er die zweite Generation machen: Stefan Jakschik als Vorstand für die technologische Entwicklung, Alexander Jakschik für Vertrieb und Finanzen. „Unser Vater steht jederzeit für Fragen bereit – und in der ersten Zeit habe ich ihn wohl dreimal am Tag angerufen“, erzählt sein Sohn.

Seither setzen die Geschäftsführer den Wachstumskurs von durchschnittlich zehn Prozent jährlich fort. Sie erweitern den Kittlitzer Stammsitz, erwerben einen Mittelständler der Branche, gründen Standorte in Milwaukee/USA und Calgary/Kanada. 2019 kaufen sie den Blechverarbeiter SLAB im polnischen Luban, der Gerätegehäuse zuliefert. Erklärtes Ziel des Familienunternehmens: Die Abhängigkeit vom kriselnden deutschen Markt verringern, und den Exportanteil von mehr als 40 Prozent vergrößern. Intensives Marketing in Nordamerika, neue Dependancen in Polen, Frankreich und Italien sowie Partner wie etwa in Vietnam, Südkorea und Japan sollen die Internationalisierung vorantreiben.

Mit einem Dutzend Experten in der Entwicklung, einer Ausbildungsquote von rund zehn Prozent und engen Kontakten zu den Hochschulen in Bautzen und Zittau sorgt ULT sowohl für Innovationen als auch für neue Fachkräfte. Die Firma müsse sich dennoch auf weniger Personal einstellen – mit schlankeren Fertigungslinien und Automatisierung bis hin zu humanoiden Robotern. Doch ULT könne auch Krise: „In unserer Geschichte gab es auch schon sehr schwierige Situationen“, sagt Jakschik. „Aber es ging immer weiter – mit Teamwork und Zuversicht.“

„Die Region Löbau ist nicht nur unsere Heimat – sondern auch ein strategisch sehr guter Standort im Zentrum Europas. Länder wie Polen und Tschechien sehen wir als große Zukunftsmärkte. Der Wettbewerb um Löhne und Fachkräfte ist bei uns nicht so hart wie in westdeutschen Metropolregionen. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erleben wir als sehr loyal und lösungsorientiert – vielleicht auch dank ihrer Wende-Erfahrung. Und für unsere Kunden zählt letztlich nicht, wo wir unseren Sitz haben.“

Alexander Jakschik
Geschäftsführer der ULT AG

Interview und redaktionelle Bearbeitung durch: Sven Heitkamp | Freier Journalist | Leipzig
(Bildquellen: ULT AG)

Veröffentlicht: 6. Januar 2026

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