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Kerstin Stork
Geschäftsführerin, STORK Umweltdienste GmbH

#ErfolgeOst

Wachstum aus Wertstoffen

Familie Stork hat in 30 Jahren einen kleinen Recyclingbetrieb in Magdeburg zu einem internationalen Branchenplayer aufgebaut – mit Mut und Innovationskraft. Nun bereiten die Gründer behutsam den Generationswechsel vor.

Familie Stork hat in 30 Jahren einen kleinen Recyclingbetrieb in Magdeburg zu einem internationalen Branchenplayer aufgebaut – mit Mut und Innovationskraft. Nun bereiten die Gründer behutsam den Generationswechsel vor.

Im Magdeburger Gewerbegebiet Rothensee ragt ein markantes Bürohaus mit hohen Fensterfronten in den Himmel. In dessen blau gerahmtem Portal prangt in weißen Lettern ein einziges Wort: STORK. Kerstin Stork, 55, blonder Kurzhaarschnitt, betritt den langen Besprechungsraum hinter den Fenstern im ersten Stock und beginnt das Interview ohne Umschweife: „Legen wir los!“, sagt sie freundlich lächelnd beim ersten Handschlag. Energisch, zupackend vom ersten Moment an.

Kein Wunder. Die studierte Wasserwirtschafterin hat das Recyclingunternehmen hinter der Glasfassade 1994 mit ihrem Mann Bernhard Stork gegründet und binnen 30 Jahren zu einem der größten Player Sachsen-Anhalts aufgebaut. „Es gibt Menschen, die sich gern vor den Karren spannen – und Menschen, die sich lieber ziehen lassen“, sagt Kerstin Stork. Klar, zu welcher Sorte sie gehört.

Die Stork Umweltdienste bereiten heute in hausinternen und mobilen Anlagen mineralische Abfälle auf und gewinnen metallische Rohstoffe zurück. Zur deutschland- und europaweit tätigen Stork-Gruppe zählen inzwischen 560 Beschäftigte in 28 Gesellschaften. Umsatz voriges Jahr: 270 Millionen Euro. Der größte Vertragspartner für Schlacken und Aschen ist seit 2005 das Müllheizkraftwerk Rothensee. Mit einer Million Tonnen Jahreskapazität, die für Strom und Fernwärme verbrannt werden, gilt es als eines der größten seiner Art in Deutschland. Die Stadtväter hatten seinerzeit in weiser Voraussicht entschieden, dass die Abfälle des Kraftwerks in der Region aufbereitet werden sollen – und setzten dabei auf Familie Stork. Heute werden am Standort Magdeburg täglich aus mehreren Müllverbrennungsanlagen bis zu 2.500 Tonnen Schlacken und Aschen angeliefert.

Die Aufbereitung und effiziente Rückgewinnung von Kraftwerksabfällen machen derzeit etwa drei Viertel des Umsatzes aus – in erster Linie durch den Verkauf wertvoller Metalle wie Aluminium, Eisen, Kupfer, Zink, Messing, Gold, Silber und Edelstahl. Die wiedergewonnenen Rohstoffe gehen dabei vorwiegend nach Asien. Unter dem Eindruck von Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg diversifizieren produzierende Unternehmen ihre Rohstoffquellen – darunter recyceltes Material aus Magdeburg.

Firmen-Talk bei STORK

Zentrale von STORK in Magdeburg-Rothensee 

„Wir haben uns das Thema auf die Fahne geschrieben und versuchen überall da zu sein, wo ein Müllofen brennt“, sagt Kerstin Stork. Und nicht nur das. Die Gruppe entsorgt, verwertet und recycelt zudem viele weitere Abfallarten: Sondermüll, Gefahrstoffe und Gewässerschlämme, kontaminierte Böden und andere Altmaterialien wie Beton, Bauschutt, Dachpappen, Asphalt und Teer. Unter Konzernen wie Remondis, Prezero und Veolia seien sie wie die gallischen Kämpfer. „Unsere Schnelligkeit und Flexibilität zeichnen uns aus“, betont Stork. „Allein der Zaubertrank fehlt.“

Neben der Zentrale in Rothensee verfügt das Unternehmen über ein großes Gelände am Magdeburger Hafen sowie diverse weitere Standorte wie in Leipzig, Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und in Polen. „Wir verstehen uns als komplexer Problemlöser und Dienstleister – von der Aktenvernichtung über das Aufstellen von Containern bis zum Gebäudeabriss. Diese Servicementalität hat uns zum Erfolg geführt.“ Und sie gehört zur DNA des Familienunternehmens.

Bernhard Stork, der aus dem Kreis Paderborn stammt, hat einst Klempner gelernt, den LKW-Führerschein gemacht und sich seit Anfang der 90er Jahre in die Entsorgungsbranche im Osten eingearbeitet. Kerstin Stork studierte in ihrer Heimatstadt Magdeburg Wasserwirtschaft und kümmerte sich ab 1992 in einem Ingenieurbüro in Hannover um gefährliche Stoffe in Gewässern. Ihre Wege kreuzten sich bei einem Sonderabfallentsorger in Schönebeck: Er übernahm die Leitung der Filiale und stellte sie als Disponentin ein. Berufliches und Privates verschmolzen zunehmend, glücklich liiert gründete das junge Paar 1994 die erste Firma: Stork Umweltdienste. Sie wurden die ersten Investoren im neuen Industriegebiet im Norden der Stadt.

Zu dritt legten sie damals los: mit einem Fahrer und einem gebrauchten 7,5-Tonner für 6000 D-Mark. Sie entsorgen Farben und Lacke und sanieren alte Tankstellen. Ab 1995 erhalten sie Verträge mit der Deutschen Bahn zur Beräumung kontaminierter Flächen in Sachsen-Anhalt und Sachsen. Das Ehepaar entwickelt eigene Anlagen für die mikrobiologische Behandlung von Böden: Ihre Bakterien bauen Öl innerhalb von drei bis vier Monaten ab. Beim Ausbau des Magdeburger Wasserstraßenkreuzes verwandelt die Firma Schlamm mit Hilfe trockener Stoffe in verdichtungsfähiges Material. Das Unternehmen wächst und wächst.

Firmengelände in Magdeburg-Rothensee

Schwimm-Sink-Anlage

„Das Gespür für neue Anforderungen und der Weitblick für neue Märkte zeichnen uns aus“, sagt Stork. Sie starten Entwicklungsprojekte mit der Fraunhofer-Gesellschaft und dienen als Testzentrum für den Baumaschinenriesen Liebherr. Derzeit fördern sie das Schweizer Startup Neustark, das sich um die Bindung und Speicherung von CO2 aus der Atmosphäre bemüht. „Man darf nicht nur darauf warten, dass sich etwas ändert“, sagt die Unternehmerin. „Innovation muss man selbst vorantreiben.“

Doch auch bei Storks geht es nicht immer aufwärts. „Wir sind oft auf die Nase gefallen“, sagt die Firmenchefin. „Aber wir machen immer weiter.“ Die Sinuskurve des Erfolgs helfe dabei, die Bodenhaftung zu behalten. Nur ihr Vertrauen zu manchen Banken hat seither gelitten. Als das Land Sachsen-Anhalt einen schriftlich zugesagten Fördermittelbescheid nicht auszahlte, wollte ihr die Hausbank Berater ins Unternehmen schicken, statt mit einem Kredit aus der Patsche zu helfen. „Das hat mein Verständnis von Banken als Dienstleister verändert.“

Inzwischen ist Sohn Paul ins Unternehmen mit eingestiegen. Der 27-Jährige ist buchstäblich auf dem Firmengelände groß geworden. „Bagger war sein erstes Wort“, erzählt die Mutter. Er hat mittlerweile Abfallwirtschaft studiert und sattelt einen Businessabschluss an einer Schweizer Hochschule obendrauf. Parallel gewinnt er als Geschäftsführer der Tochtergesellschaft Stork International neue Märkte. Die Eltern haben ihm Ende 2025 bereits die Geschäftsanteile überschrieben. Auch das neue Headquarter ist nun fertig und bietet Platz für weiteres Wachstum. „Ich möchte die Firma mit gutem Gewissen übergeben – und nicht mit einem Sack Schulden“, sagt Kerstin Stork. Eine Roadmap für den Ausstieg gebe es aber nicht. „Lange vorauszuplanen, habe ich mir in diesen turbulenten Jahren abgewöhnt.“

Zum Abschied lässt Kerstin Stork den Blick über den Firmenparkplatz schweifen und erzählt noch eine Geschichte: Als eine Gesamtschule sie als Betrieb für dreiwöchige Praktika für Schülerinnen und Schüler der 9. Klasse anfragte, sagte sie Nein – sorgte dann aber in Gesprächen mit dem Kultusministerium und dem Rathaus für ein neuartiges Pilotprojekt. Seither können Neuntklässler bei ihr über ein Jahr verteilt Praktika absolvieren. An jeweils einem Tag pro Woche gibt es für die Schüler statt Unterricht Betriebspraktika und Berufsorientierung. „Zwei Wochen Praktikum nutzen niemandem etwas –so haben wir etwas Sinnvolles auf die Beine gestellt“, sagt Kerstin Stork. Man merkt: Die Unternehmerin prägt das Lebensmotto, das ihr der Vater mit auf den Weg gab: Kampflos aufgeben ist keine Option!

„Magdeburg hat uns von Beginn an die Chance geboten, uns zu entwickeln – das hätte an keinem anderen Standort besser laufen können. Dazu zählt die kluge Entscheidung der städtischen Politik, die Reststoffe des Müllheizkraftwerks – eines der größten in Europa – selbst aufzubereiten und die Wertschöpfung in der Region zu halten. Daraus ist eine Symbiose zwischen unserem Unternehmen und der Stadt entstanden, die bis heute maßgeblich für unseren Erfolg ist.“

Kerstin Stork
Geschäftsführerin, STORK Umweltdienste GmbH

Interview und redaktionelle Bearbeitung durch: Sven Heitkamp | Freier Journalist | Leipzig
(Bildquellen: STORK Umweltdienste GmbH)

Veröffentlicht: 05. März 2026

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