Skip links

Sven Lindig, Geschäftsführer LIFT Air GmbH

#ErfolgeOst

Der Traum vom Fliegen

Eigentlich verdient der Eisenacher Familienunternehmer Sven Lindig sein Geld mit Gabelstaplern und Arbeitsbühnen. Doch vor fünf Jahren zog es ihn noch höher hinaus. Er gründete das Unternehmen „LIFT AIR“ und bündelt dort Projekte für innovatives Fliegen. Motto: Hauptsache, es geht aufwärts.

Über den Wolken am Flugplatz Eisenach-Kindel röhrt eine Propellermaschine. Ansonsten herrscht Stille über dem Rollfeld im thüringischen Niemandsland. Doch die Ruhe täuscht: In den Hangars und Hallen rings um den kleinen Tower basteln Tüftler und Ingenieure an hochmodernen, innovativen Kleinflugzeugen und Tragschraubern. Seit ein paar Jahren baut hier der Eisenacher Unternehmer Sven Lindig die Aktivitäten seiner „LIFT AIR“-Holding aus: Eine Bündelung der drei Marken Flight Design, Rotorvox und Horten Aircraft.

Den Kern der LIFT-AIR-Gruppe macht das Unternehmen „Flight Design“ aus: ein führender Leichtflugzeug-Hersteller, der seit 1997 mehr als 2000 seiner Luftsportmaschinen mit 1800 Kilometern Reichweite weltweit verkauft hat. Die Fertigung mit rund 160 Mitarbeitern läuft in der Ukraine. Entwicklung und Vertrieb aber werden in Eisenach-Kindel vorangetrieben. Die Marke „Rotorvox“ steht indessen für einen hubschrauber-ähnlichen Premium-Tragschrauber mit Drehflügeln, der zunächst von einem Thüringer Start-up in mehrjähriger Entwicklungsarbeit nach Prinzipien des Automotorsports konstruiert wurde. 2017 kaufte Lindig das junge Unternehmen und integrierte es in seine LIFT-AIR-Gruppe.

Leichtathlet Thomas Roehler | Flight Design Rotorvox

Horten HX-2 im Flug

Ein besonders ambitioniertes Projekt ist zudem „Horten Aircraft“ – ein sogenanntes Nurflügel-Flugzeug. Es fliegt dank seines geringen aerodynamischen Widerstands weiter und schneller als vergleichbare Flugzeuge mit Leitwerk. Nach zweieinhalb Jahren Entwicklungszeit ging der Prototyp im Juli 2018 erstmals auf einen Jungfernflug. Inzwischen hat die smarte Maschine etliche Testflüge absolviert. Die Weltpremiere fand im April 2019 zur Messe „Aero“ in Friedrichshafen statt. Der Firmenname „Horten“ erinnert dabei an den visionären Flugzeugkonstrukteur Reimar Horten (1915–1994), der als Pionier dieses Flugzeugtypen gilt. Er hat noch für die ersten Vorläufer des jetzigen Prototyps gerechnet und gezeichnet. 

Lindig und seine Ingenieure setzen bei den Weiterentwicklungen ihrer Flugzeuge stark auf alternative Antriebe: Seit 2019 gibt es die „Flight Design“-Maschine auch als Elektroflugzeug F2e. Der Nurflügel von Horten Aircraft indes ist mit seinen voluminösen Tragflächen optimal für die Unterbringung von Wasserstofftanks geeignet. „Als Familienvater mit vier Kindern“, sagt Lindig, „ist es mir ein zentrales Anliegen, die Fliegerei nachhaltiger zu gestalten.“ Er ist davon überzeugt, dass die Zukunft der Mobilität verstärkt in der dritten Dimension stattfinden werde.  „Aktuell sehen wir mit den Vorstößen von Volocopter und Lilium ein neues Aufblühen des Themas Lufttaxi“, sagt Lindig. Angesichts der neuen Märkte überdenke auch sein Unternehmen derzeit eine Anpassung des Portfolios und der Konzepte. „Die Luftfahrt wird in Zukunft zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten für andere Transportsysteme. Wir haben dafür die passenden Ansätze und geben Investoren die Möglichkeit, jetzt in dieses Wachstumsfeld einzusteigen.“

Geschäftsführer Sven Lindig | Elektro-Staplertechnik

Lindig Gruppe | Hauptsitz Eisenach-Kindel

Lindig ist dabei nicht nur Luftfahrtenthusiast mit hochfliegenden Ambitionen – sondern auch bodenständiger Spross einer erfolgreichen Unternehmerfamilie in vierter Generation. Ihr Kerngeschäft bildet die „Lindig Fördertechnik“ in Eisenach: ein Dienstleister rund um Gabelstapler, Lagertechnik und Arbeitsbühnen. Das Familienunternehmen, 1899 von Sven Lindigs Urgroßvater gegründet, zählt heute mehr als 350 Mitarbeiter in vier Bundesländern, eine Mietflotte mit 800 Gabelstaplern und 800 Arbeitsbühnen sowie 70 Millionen Euro Jahresumsatz. Das Unternehmen ist seit 1990 offizieller Vertragspartner von Linde Material Handling und damit sehr erfolgreich: Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young kürte Lindig als Finalist im Wettbewerb „Entrepreneur of the year“ 2014 und 2019 zu den besten Familienunternehmen Deutschlands. „Wir haben immer alle Gewinne wieder ins Unternehmen gesteckt“, erklärt Sven Lindig das Erfolgsgeheimnis. „Ich brauche keinen Jetset und keine Yachten.“ Im Gegenteil: Auch im Unternehmen lege er großen Wert auf flache Hierarchien und faire Arbeitsbedingungen.

Die Gründung seiner Luftfahrtaktivitäten hatte vor knapp fünf Jahren mit einem Paukenschlag begonnen. Damals meldete der junge Hubschrauber-Bauer „Helipark“, ein deutsch-chinesisches Joint Venture in Eisenach-Kindel, Insolvenz an. Statt der geplanten Hubschrauber und modernen Kleinflugzeuge waren dort nur ein repräsentatives Firmengebäude mit einer neuen Halle entstanden. Lindig interessierte sich zunächst vor allem für die leeren Immobilien und Gelände – er suchte Flächen für sein wachsendes Unternehmen. „Aber dann“, so erzählt er, „habe ich bei der Fliegerei Blut geleckt.“ Das Ergebnis heißt: Lift Air.

Flight Design | Vorfeld Shooting 2018

Rotorvox | Vorfeld

Interview und redaktionelle Bearbeitung durch: Sven Heitkamp | Freier Journalist | Leipzig
(Bildquellen: Lift-Air)

Veröffentlicht: 04. Dezember 2019

Bleiben Sie informiert! Jetzt haben Sie die Möglichkeit, sich in unseren Verteiler eintragen zu lassen. Somit sind Sie immer auf dem Laufenden, was Ostdeutschland bewegt.