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Tesvolt, Geschäftsführung
Daniel Hannemann, Simon Schandert

#ErfolgeOst

Die Verstromung der Welt

In der Lutherstadt Wittenberg reformiert ein preisgekröntes Gründerduo mit intelligentem Batterie-Management die Stromspeicherung. Ein wichtiger Baustein für die Energiewende – längst nicht nur im Osten.

Daniel Hannemann, 33 und Tesla-Fahrer, hat eine klare Vorstellung davon, wie die Erde in einigen Jahren aussehen wird: „Die Welt wird verstromt“, sagt der junge Informatiker und Unternehmer und meint: Kohlekraftwerke und Dieselaggregate etwa werden durch erneuerbare Energien ersetzt, auch Autos fahren nur mit regenerativem Strom. „Das ist global ein riesiger Markt“, sagt Hannemann.

Eine Stufe auf dem Weg in den klimafreundlichen Olymp hat Hannemann mit seinem Wegbegleiter, Elektroingenieur Simon Schandert, selbst gelegt: In der Lutherstadt Wittenberg hat das Duo die Firma „Tesvolt“ gegründet. Ihr Kern: ein weltweit einzigartiges, intelligentes Batteriemanagement-System, das die Leistung von Stromspeichern etwa für Wind- und Solaranlagen enorm erhöht. Die selbstentwickelte Hard- und Software sorgt dafür, dass die Zellen und Module im Speicherschrank permanent mit der gleichen Stärke optimal ausbalanciert werden – während ein herkömmliches Batteriebündel immer nur so stark ist wie das schwächste Glied in der Kette und sich damit selbst drosselt. „Wir wollen saubere, bezahlbare Energie in jeden Winkel der Welt bringen und Netzausfälle absichern“, sagt Hannemann.

Tesvolt liefert Speicher für Gewerbe und Industrie.

Bei der Speicherfertigung in Wittenberg packen kleine Kräne mit an.

Tatsächlich versorgt Tesvolt mit seinen patentierten Speicher-Produkten schon heute mehr als 1000 Projekte weltweit: eine Avocado-Farm in Australien ebenso wie eine Dörfer-Gemeinschaft mit 250 000 Menschen in Mali oder ein Arsenal von Wasserpumpen für 2000 Farmer in Ruanda. Ebenso beliefert Tesvolt Berghütten in den Alpen, Stromtankstellen in Skandinavien und Bauernhöfe in Sachsen-Anhalt. Die Speicher sind fast beliebig skalierbar und werden vom Kunden je nach dessen Bedürfnissen bestellt. Sie können ans öffentliche Netz angeschlossen oder autark betrieben werden und sie können helfen, Lastspitzen und damit überteuerte Stromrechnungen zu kappen. „Unser Online-Konfigurator ermöglicht mehr als 1000 Varianten“, sagt Hannemann. Die Spanne reicht von einer kleinen Anlage, die es schon für wenige Tausend Euro gibt, bis hin zu großen Containermodulen im Megawatt-Bereich.

Montiert werden die Speicher auf Bestellung in der Werkhalle in Wittenberg aus Bauteilen, die fast nur aus Deutschland stammen. Nur die Hochleistungs-Batteriezellen kommen von Samsung SDI – es sind die Gleichen, die auch BMW und Volkswagen in ihren Elektroautos verbauen. Tesvolts Speicher sind dabei für eine Lebensdauer von 30 Jahren und mindestens 8000 Ladezyklen ausgelegt, sollen sich aber schon nach etwa fünf Jahren amortisieren. Inzwischen wurden Hannemann und Schandert mit etlichen Preisen ausgezeichnet, wie mit dem Deutschen Gründerpreis von Stern, Sparkassen, ZDF und Porsche als Aufsteiger.

Ein Mitarbeiter bei der Prüfung von Kabelverbindungen.

In der Grafschaft West Sussex wurde das erste kommunale Batteriespeicherprojekt in UK installiert. In klimatisierten Containern werden alle Tesvolt-Zellen einzeln überwacht.

TESVOLT GmbH

Intelligentes Batterie-Management aus der Lutherstadt Wittenberg

Hannemann und Schandert kennen sich von Kindheit an: Sie haben am gleichen Gymnasium in Wittenberg Abitur gemacht und stammen aus Dörfern in der Umgebung. Irgendwann fragte der Großvater seinen Enkel, was aus dem Bauernhof werden solle. Es war die Boomzeit der Solarindustrie in Deutschland und die Familie begann bald, auf ihren Feldern mit Partnern Solarparks zu errichten. Für Hannemann und Schandert der Einstieg ins Thema. Bald bastelten sie ihre ersten Speicher-Prototypen auf dem Hof der Familie. 2014 entstand Tesvolt.

Inzwischen hat ihre Firma 50 Mitarbeiter und für die Zukunft Großes vor: Das Duo plant nicht nur neue Produktvarianten, sondern gleich eine „Gigafactory“, die die Montage der Schaltschränke von der Onlinebestellung bis zur Auslieferung weitgehend automatisiert und mit künstlicher Intelligenz abwickelt. „Wir leisten Pionierarbeit“, sagt Hannemann. „Die Energiewende wird ein großer Wirtschaftszweig mindestens für die nächsten 20 Jahre.“ Die innovativsten Unternehmen kämen dabei aus Ostdeutschland, findet der agile Gründer. Wichtig für das Fortkommen wäre allerdings, sagt er, dass Bund und Länder große Fonds auflegen, damit erfolgreiche Unternehmen ohne allzu viel Eigenkapital weiter dynamisch wachsen könnten – eben Firmen wie Tesvolt.

Interview und redaktionelle Bearbeitung durch: Sven Heitkamp | Freier Journalist | Leipzig
(Bildquellen: Tesvolt)

Veröffentlicht: 07.  Februar 2019

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