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André Klimm, Geschfätsführer, Laempe Mössner Sinto

#ErfolgeOst

Sandformen aus dem 3D-Drucker

Die Traditionsfirma Laempe Mössner Sinto aus Barleben ist Weltmarktführer für Kernmachereitechnologien in der Gießereiindustrie: Ihre Maschinen erzeugen Formkerne aus Quarzsand, mit denen Hohlräume in Gussteilen entstehen – neuerdings auch mit 3D-Druckern im XXL-Format. 1980 in Baden-Württemberg gegründet, ist das Unternehmen seit 1996 auch in Sachsen-Anhalt Zuhause. Heute ist dort der Sitz der Gesellschaft und ihr größter Standort – von hier aus ist Laempe weltweit aktiv.

Hintern Hecken – der Name ist Programm: Wer zum Hidden Champion Laempe Mössner Sinto will, fährt die Autobahn A14 bis zu ihrem nördlichen Ende hinter Magdeburg und biegt nach Meitzendorf ab. Am Ortseingang erheben sich zwischen Feldern und Wiesen helle Produktionshallen von internationaler Bedeutung: Das Unternehmen ist mit mehr als 300 Beschäftigten und rund 50 Millionen Euro Jahresumsatz der weltweit größte Anbieter von Kernfertigungstechnologien.

Jedes Jahr liefert Laempe von Meitzendorf aus 40 bis 50 maßgeschneiderte Maschinen und Anlagen in die Welt. Sie erzeugen bizarr anmutende Formen aus Sand und Bindemitteln für den industriellen Metallguss. Sollen Metallbauteile wie Pumpen oder Motoren spezielle Hohlräume, Kanäle und andere Innengeometrien enthalten, werden solche Kerne in die Gussform gesetzt. Nach dem Gießen zerfallen sie wieder. Der Sand rieselt aus dem Metallkörper und wird wiederverwertet. Ein echtes Spezialgebiet.

Wenn Geschäftsführer André Klimm durch die Produktionshallen führt, bleibt er vor einer Hightech-Anlage im Containerformat stehen. Im Inneren des L3D-200 verteilt ein sogenannter „Recoater“ den Sand gleichmäßig in feinen Schichten. Dann bringt ein Druckkopf das Bindemittel gezielt an jenen Stellen ein, an denen der Kern oder die Form entstehen soll. Schicht für Schicht wachsen so komplexe Bauteile heran.

Laempe hat den 3D-Sanddruck nicht erfunden, aber die Technologie perfektioniert. In zehn Jahren Entwicklungsarbeit entstand eine Technik, mit der Anlagen vier- bis fünfmal schneller drucken als herkömmliche Maschinen. Sie benötigen für einen Druckvorgang je nach geometrischer Form etwa zweieinhalb Stunden – statt 12 bis 16 Stunden. „Unsere Maschinen sind zurzeit die schnellsten auf der Welt“, sagt Klimm. „Das spart nicht nur Zeit, man benötigt auch weniger Personal, das schwer zu finden ist.“ Die nötigen Investitionen im siebenstelligen Bereich würden sich daher schnell rentieren. Zudem sind die Drucker dank der digitalen Designdaten vollkommen frei in der Gestaltung – ohne geometrische Vorgaben durch traditionelle Formwerkzeuge.

Laempes neues Flaggschiff – 3D-Sanddrucker

Skurille Sandformen erzeugen Hohlräume beim Metalguss 

Für die Entwicklung erhielt das Unternehmen im Juni den Hugo-Junkers-Preis des Landes Sachsen-Anhalt sowie den (R)Evolution Award 2025 auf der Formnext in Frankfurt, der internationalen Leitmesse für additive Fertigung. Ein wichtiger Entwicklungspartner war dabei das Komponentenwerk der BMW Group in Landshut. Dort werden bereits mehrere Anlagen der ersten Generation „L3D-100“ eingesetzt. Die Erfahrungen flossen auch in die Weiterentwicklung der aktuellen Anlagengeneration „L3D-200“ ein. Doch die Zeiten, in denen das Unternehmen vor allem für die Autoindustrie gearbeitet hat, seien vorbei, erzählt Klimm. Neue Märkte entstehen durch den Boom von KI-Fabriken und Serverfarmen: Für deren Kühlung werden große Pumpen und für deren Notstromversorgung große Motoren benötigt. Weitere Märkte sind etwa der chinesische Schiffbau und die Landtechnikindustrie.

Daneben ist die Automatisierung zur wichtigen Säule des Geschäfts geworden: Für den Windradbauer Enercon entwickelte Laempe eine Lösung zum Einsetzen von Tausenden Magneten in die riesigen Generatoren. Für den Helmspezialisten Schuberth baute das Unternehmen Roboterzellen zum Polieren von Helmen. Weitere Anfragen aus anderen Branchen laufen schon.

Die erforderlichen Investitionen finanziert Laempe häufig gemeinsam mit Hausbanken. Zu ihnen pflege das Unternehmen einen engen und vertrauensvollen Austausch, erzählt Klimm. Gerade im international geprägten Maschinenbau seien verlässliche Finanzierungspartner wichtig, die nicht nur die langfristigen Chancen, sondern auch die konjunkturellen Schwankungen der Branche berücksichtigen. Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet Laempe schließlich im Ausland.

Seit 2011 hat das Unternehmen eine Tochterfirma in Peking, bereits seit 1997 ist es mit einem Standort im Wachstumsmarkt Indien präsent – wo Laempe derzeit seinen Standort weiter ausbaut: Deutsche und indische Ingenieure entwickeln jetzt gemeinsam eine klassische Kernschießmaschine für die Anforderungen des indischen Marktes. Die erste Anlage entsteht bis Jahresende noch in Deutschland, ab 2027 sollen Montage und Fertigung in Indien aufgebaut werden. „Wir wollen stärker aus Sicht des indischen Marktes denken und Lösungen anbieten, die zu den Anforderungen vor Ort passen“, sagt Klimm. „Wer international wachsen möchte, braucht neben guten Produkten auch verlässliche Mitarbeiter und Partner, die den lokalen Markt und seine Besonderheiten kennen.“

Roboter-Lösung zum Polieren von Helmen

Blick ins Innere der BMW-3D-Druck-Anlage

Gegründet hatte die erfolgreiche Firma 1980 der Techniker und Unternehmer Hans-Joachim Laempe in Schopfheim in Baden-Württemberg. Mitte der 1990er Jahre baute das Unternehmen seinen Standort in Meitzendorf bei Magdeburg auf, der seither kontinuierlich wächst. 2005 stieg auch Werner Mössner als gleichberechtigter strategischer Partner mit ein – und führte das Unternehmen vorübergehend nach dem plötzlichen Tod des Firmengründers. 2015 ging Laempe Mössner zudem eine Kooperation mit dem japanischen Gießereimaschinenhersteller Sinto ein, der sich mit 40 Prozent am Unternehmen beteiligte.

2022 kam der gebürtige Alfelder André Klimm als Geschäftsführer nach Magdeburg. Der Maschinenbauingenieur kennt die Gießereibranche seit mehr als 30 Jahren und hat mehrere Stationen bei namhaften Unternehmen absolviert. Unter seiner Leitung hat Laempe Mössner Sinto in Meitzendorf weiter an Bedeutung gewonnen – insbesondere die Bereiche Entwicklung, 3D-Druck und Automatisierung seien weiter ausgebaut worden, erzählt er. Heute arbeiten rund 270 der gut 300 Beschäftigten in Sachsen-Anhalt. „Schopfheim mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung und seinem Know-how bleibt aber ein wichtiger Bestandteil des Unternehmensverbunds“, betont Klimm. Meitzendorf ist dabei nicht nur der größte Standort und Sitz der Gesellschaft – auch persönlich ist Klimm inzwischen in der Region angekommen: Gemeinsam mit seiner Frau hat er hier ein neues Zuhause gefunden.

„Wir profitieren in Magdeburg von einer sehr guten Verkehrsanbindung und guten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Zudem können wir gemeinsam mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg und der Hochschule MagdeburgStendal viele duale Studierende ausbilden. Und auch die Landeshaupthauptstadt bietet alles zum Leben, was man von einer Großstadt erwartet – wir sind hier gern Zuhause.“

André Klimm
Geschäftsführer, Laempe Mössner Sinto GmbH

Interview und redaktionelle Bearbeitung durch: Sven Heitkamp | Freier Journalist | Leipzig
(Bildquellen: Andreas Lander | Timo Lutz, Team für Industriefotografie)

Veröffentlicht: 17. September 2026

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