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MITTELSTAND / WIRTSCHAFTSSTANDORT

Unternehmensnachfolge – Übergang in die nächste Generation erfolgreich gestalten

In Tausenden von Unternehmen steht derzeit ein Generationswechsel an. Auslöser können der Eintritt der Inhaber/innen in den Ruhestand oder  eine plötzliche Verhinderung (Unfall, Tod etc.) – möglich ist aber auch eine ganz bewusste Entscheidung, etwas Neues aufzubauen.

Die vorsorgliche Regelung der Nachfolge ist in erster Linie die Aufgabe der Unternehmen selbst. Dass sie gelingt, ist aber zugleich von hohem gesamtgesellschaftlichem Interesse, droht doch die Schließung des Unternehmens, wo keine Lösung gefunden wird. Ein Verlust an wirtschaftlichem Potenzial und Arbeitsplätzen wäre vorprogrammiert – auch dort, wo die Zukunftsaussichten für das Unternehmen eigentlich günstig sind.

Wie groß die Zahl der Nachfolgen insgesamt ist, zeigt beispielsweise das Institut für Mittelstandsforschung Bonn (IfM). Demnach ist in ganz Ostdeutschland zwischen 2022 und 2026 mit rund 31.500 Nachfolgen zu rechnen – vereinfacht gesagt: Zur „Halbzeit 2024“ dürften in den kommenden zwei Jahren noch 15.000 Unternehmen ihre Inhaber/innen wechseln (s. Grafik). In der Grundtendenz unterscheidet sich dabei die Situation hierzulande inzwischen nicht mehr von der gesamtdeutschen Ausgangslage. Faktisch flächendeckend besteht die Herausforderung, viele Unternehmen in neue Hände zu übergeben.

Unternehmensnachfolge als strategische Aufgabe

Wie sich die jeweiligen Unternehmen insgesamt der Herausforderung der Nachfolge stellen, mit welchem Vorlauf und in welcher Detailtiefe, ist sehr differenziert. Nur ein – zu kleiner – Teil bereitet sich aktiv vor. Der Vorbereitungsgrad sinkt mit abnehmender Betriebsgröße. Hier kommt dann doch zum Tragen, dass kleinere Unternehmen die Wirtschaftsstruktur im Osten stärker dominieren als in vergleichbaren Regionen im Westen. Zudem hat sich in den letzten Jahren aufgrund der Corona-Pandemie, des steigenden Zinsniveaus sowie der insgesamt schlechteren Konjunkturaussichten eine gewisse Abwartehaltung eingestellt. Eine allgemeine Sensibilisierung für dieses strategisch wichtige Thema ist also weiterhin notwendig.

Die eigene Unternehmensnachfolge ist zudem ein komplexer und oft emotionaler Prozess. Inhaber/innen müssen sich Fragen nach dem zu erzielenden Kaufpreis aber auch nach einer guten Perspektive für ihr Lebenswerk stellen. Und natürlich ist jede Übergabe anders und bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich (s. Grafik). Daher ist eine ausreichend lange und gründliche Vorbereitung für ein optimales Ergebnis unabdingbar. Die gute Nachricht: Viele Hindernisse sind bekannt; die Einbindung von Expert/innen zur Unterstützung ist möglich – und sinnvoll.

Vor allem die Suche nach der passenden Nachfolge-Lösung kann sich schwierig gestalten. Laut KfW plant etwa die Hälfte der übergabewilligen Inhaber/innen (deutschlandweit), die Nachfolge innerhalb der Familie zu regeln. Die restlichen Nachfolgen erfolgen durch externe Interessent/innen oder beteiligte Mitarbeitende bzw. Miteigentümer.

Schaut man etwas tiefer, stellt sich die Situation differenzierter dar: Kleinere Unternehmen sind viel stärker auf einzelne handelnde Inhaber/innen zugeschnitten und sie bewegen sich oftmals in einem breiten Wettbewerbsumfeld. Hier besteht erfahrungsgemäß das größte Problem darin, einen geeigneten Nachfolgenden zu finden, der sich engagiert der Unternehmensführung widmet, aber eben auch das damit verbundene finanzielle Risiko tragen will.

Größere Unternehmenseinheiten verfügen dagegen in der Regel über eine komplexere Geschäftsführungsstruktur. Gerade interessante Geschäftsmodelle finden aufgrund der Größe einfacher einen Übernahmeinteressenten – und hier spielen Investoren eine bedeutende Rolle. Strategische Erwerbungen durch bisherige Mitarbeitende (Management Buy Outs), unternehmensexterne Führungskräfte (Management Buy Ins) oder andere Unternehmen zur Ergänzung ihres Geschäftsfeldes sind ebenso festzustellen, wie die Weiterführung durch Finanzinvestoren. Aufwand und Zeitbedarf, inklusive Kaufpreisermittlung und Verhandlung, sind gerade bei externen Übernahmen größer. Die Gestaltung eines reibungs- und risikolosen Übergangs ist daher eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

Zusammenfassend: Entscheidend ist der richtige Zeitpunkt, um das Thema anzugehen, die richtige Vorbereitung und die Einbindung von Partnern und Expert/innen. Gerade beim letzten Punkt kommen die Banken ins Spiel.

Banken als Unterstützer

Jede Unternehmensnachfolge hat konkrete Auswirkungen auf die bereits beteiligten Kapitalgeber. Schon aus diesem Grund sind sie – sind wir – an einer erfolgreichen Nachfolgelösung interessiert. Als Dienstleister für die Unternehmen in der Region sind wir auf deren Fortbestand sowie deren erfolgreiche Weiterentwicklung angewiesen und unterstützen daher gerne (s. Infokasten 1).

Dienstleistungen der Banken
  • FINANZIERUNG: Banken bieten individuelle Finanzierungslösungen, die den spezifischen Anforderungen und Bedürfnissen potenzieller Nachfolgender entsprechen.
  • BERATUNG: Banken bieten Beratungen nicht nur zur Finanzierung, sondern auch zu Übergabemöglichkeiten, der Orientierung bei der Unternehmensbewertung sowie im Risikomanagement und zur Entwicklung von Finanzstrategien für potenzielle Nachfolgende an.
  • NETZWERKE: Banken verfügen über umfangreiche Netzwerke und können so Inhaber/innen und Übernehmende mit Beratenden und anderen Unterstützer/innen verbinden, um den Nachfolgeprozess zu erleichtern.
  • KONTINUIERLICHE UNTERSTÜTZUNG: Banken stehen auch nach Abschluss der Unternehmensnachfolge mit ihrem Dienstleistungsangebot unterstützend zur Seite, um den Erfolg des übernommenen Unternehmens langfristig zu sichern.

Aktive Unterstützung im Übergabeprozess

Die UniCredit beispielsweise greift in einer ersten Stufe auf die Erfahrungen ihrer regionalen Mitarbeitenden zurück. Diese kennen die Unternehmensinhaber/innen langjährig und erfahren so von einer anstehenden Übergabe. Die konkrete Unterstützung im Nachfolgeprozess erfolgt in Abstimmung mit den Betreuenden und den Eigentümer/innen über ein Team von Spezialistinnen und Spezialisten (s. Grafik). Diese können, auf Basis der jeweiligen Unternehmenssituation, Fragen z.B. zur Übergabe oder zur Finanzierung beantworten. Häufig ist aber auch weitere Expertise erforderlich, etwa steuerlicher oder rechtlicher Art. Hier kommt ein Netzwerk von Partnern ins Spiel, um den Übergabeprozess optimal begleiten zu können. Im Ergebnis sollen sich die Eigentümer/innen auch während der eingeleiteten Nachfolgeregelung auf ihr Tagesgeschäft konzentrieren können.

Quelle: UniCredit, Unternehmenswebsite „Unternehmensnachfolge erfolgreich gestalten.“

Und nach der Übergabe?

 

Auch wenn die Übergabe rechtlich erfolgreich „abgeschlossen“ ist, geht der Übernahmeprozess weiter. Das Unternehmen steht auch unter neuer Eigentümerschaft vor vielfältigen Herausforderungen – eine enge Begleitung ist daher geboten. So werden beispielsweise strategische Fragen besprochen (s. Infokasten 2), um die zukünftige Unternehmensentwicklung einschätzen und etwa bei der Finanz- und Investitionsplanung unterstützen zu können.

Strategische Fragen für die Übernehmenden
  • Wie wird die Übernahme finanziert? Welches Eigenkapital ist einzusetzen und wie gestaltet sich die Fremdkapitalaufnahme?
  • Wie sehen Kunden-, Lieferanten- und Finanzstruktur aus?
  • Welche Position hat das Unternehmen auf seinen Märkten?
  • In welche Richtung könnte das Unternehmen entwickelt werden?
  • Welcher Investitionsbedarf besteht in Zukunft? Ist dieser aus dem Unternehmen heraus leistbar?
  • Bleiben die wichtigsten Mitarbeitenden im Unternehmen?

Quelle: OstBV; basierend auf UniCredit, Unternehmenswebsite „Mit Finanzplan, Businessplan & Co. Risiken minimieren.

Fazit: Den Blick nach vorn richten

Die Nachfolge der bestehenden Unternehmen in die nächste Generation zu regeln, ist für den Wirtschaftsstandort (Ost-)Deutschland eine herausfordernde und permanente Aufgabe. Es gilt, geeignete Lösungen zu finden – zum Wohle der Unternehmen, ihrer Mitarbeitenden und der Region.

Inhaberinnen und Inhaber sollten sich frühzeitig mit einer Übergabe auseinandersetzen. Wirtschaftspolitik, Verbände, Kammern und Banken können hier auf eine noch stärkere Sensibilisierung hinwirken.

Insgesamt lohnt sich eine differenzierte Betrachtung: Gerade im kleinteiligen Mittelstand erschwert die begrenzte Auswahl an qualifizierten Nachfolgerinnen und Nachfolgern den Prozess. Hier kann man ansetzen und versuchen, wieder mehr Menschen für eine unternehmerische Tätigkeit zu motivieren. Dies setzt bei der Bildung ebenso an wie bei der gesellschaftlichen Wertschätzung unternehmerischen Handelns.

Bei größeren Unternehmenseinheiten ist die Übernahme durch Investoren aller Art ist inzwischen eine verbreitete Praxis, um die Unternehmen in die nächste Generation zu führen. Durch die veränderten Gesellschafterstrukturen, etwa die Einbindung in größere Einheiten, eröffnen sich oft auch neue Chancen für die Unternehmen – durch frisches Kapital, die Nutzung von Opportunitäten, stärkere Kooperationen oder höhere Innovationen. Diese Veränderungen der Wirtschaftsstruktur sind Teil einer dynamischen Marktwirtschaft und sollten gesamtgesellschaftlich offen begleitet werden.

Die konkrete Umsetzung der Übergabe bzw. Übernahme ist dann per se komplex, oftmals bedarf es daher Expertise und Unterstützung. Diese sollte auch immer in Anspruch genommen werden. Wie dies Banken konkret tun können, besprechen wir gerne mit den alten und neuen Unternehmensinhaberinnen und -inhabern.

„Die Übergabe eines Unternehmens ist ein wichtiger Schritt – für das Unternehmen selbst, aber auch für die bisherigen Inhaberinnen und Inhaber. Sie ist auch entscheidend von emotionalen Aspekten geprägt. Eine frühzeitige und intensive Vorbereitung ist daher notwendig, um das Lebenswerk in gute Hände zu übergeben.“

Melina Näther

  • Leiterin Firmenkunden Sachsen-Anhalt und Thüringen | UniCredit Bank GmbH
  • Mitglied im Wirtschafts-und Kreditpolitischen Ausschuss des OstBV

„Für Unternehmen ist es immer wichtig, sich bei der Nachfolgeregelung in verschiedenen Dimensionen beraten zu lassen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Externe Expertise hilft, das Unternehmen erfolgreich in die nächste Lebensphase zu führen.“

Jens Masula

  • Leiter Firmenkunden Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern | UniCredit Bank GmbH
  • Mitglied im Wirtschafts-und Kreditpolitischen Ausschuss des OstBV

Veröffentlichung: XX. XXXX 2024

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