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Gipfeltreffen von Wirtschaft und Politik unter Beteiligung des OstBV

OWF26: Wettbewerbsreport Ostdeutschland wirbt für Perspektivwechsel

„Eine neue (Un)Ordnung“, so lautete das Motto des diesjährigen Ostdeutschen Wirtschaftsforums (OWF) vom 31. Mai bis zum 2. Juni in Bad Saarow am Scharmützelsee, zu dessen Partnern der Ostdeutsche Bankenverband (OstBV) gehört. Die elfte Auflage des Gipfeltreffens von Wirtschaft und Politik wollte Orientierung geben, wie gerade der Osten Deutschlands dem neuralgischen Viereck aus strukturellen Standort-Herausforderungen, geopolitscher Instabilität sowie der neuen globalen Wettbewerbssituation und nicht zuletzt der KI-Revolution begegnen kann.

Bundeskanzler Friedrich Merz

Bundesminister Karsten Wildberger

Bundeskanzler Friedrich Merz setzte vor den über 500 Vertretern/innen aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft auf Zuversicht und Reformbereitschaft. In seiner Rede hob er die Rolle Ostdeutschlands als Innovations- und Zukunftsregion hervor. Ostdeutsche Hochschulen und Forschungseinrichtungen gehörten inzwischen zu den leistungsstärksten Deutschlands; Sachsen habe sich zu einem der wichtigsten Mikroelektronikstandorte Europas entwickelt. Jeder dritte in Europa produzierte Chip stamme inzwischen aus dem Freistaat.

Merz verband diese positive Standortanalyse mit einem Appell: Die geplanten Reformen der Bundesregierung könnten nur gelingen, wenn Unternehmen, Beschäftigte, Verbände und Gewerkschaften gemeinsam Verantwortung übernähmen. Einen schnellen politischen „Big Bang“ schloss er aus; stattdessen warb er für langfristige und tragfähige Lösungen bei Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit, Steuern und Rente.

Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026

Vorstellung des Wettbewerbsreports: Prof. Joachim Ragnitz, Frank Nehring, Ostbeauftragte Elisabeth Kaiser, Achim Oelgarth

Auf erheblich Resonanz stieß beim OWF der „Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026“, an welchem der OstBV maßgeblichen Anteil hat. Tenor der Analyse: Der wirtschaftliche Aufholprozess gegenüber dem Westen verliert an Dynamik. Zwar konnten Produktivität, Beschäftigung und regionale Wirtschaftskraft weiter verbessert werden, zentrale strukturelle Herausforderungen bremsen jedoch die Entwicklung. Der Report fordert einen Perspektivwechsel: Ostdeutschland soll stärker als Zukunftsregion Europas verstanden und seine Wettbewerbsfähigkeit gezielt gestärkt werden.

Die wirtschaftliche Konvergenz schreitet weiterhin voran; das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen in den ostdeutschen Flächenländern erreicht inzwischen rund 85 Prozent des westdeutschen Niveaus. Gleichzeitig zeigt sich immer deutlicher, dass die Unterschiede weniger entlang einer klassischen Ost-West-Grenze verlaufen, sondern zwischen dynamischen Wachstumsregionen und strukturschwachen Gebieten. 

Die Autoren des Reports sehen erhebliche Risiken für die weitere Entwicklung. Unternehmensinvestitionen liegen weiterhin deutlich unter dem westdeutschen Niveau. Die Bruttoanlageinvestitionen erreichen nur etwa drei Viertel des Westwertes, bei den reinen Unternehmensinvestitionen sogar lediglich rund zwei Drittel. Gleichzeitig verschärft der demografische Wandel den Fachkräftemangel. Bis 2035 wird das Erwerbspersonenpotenzial in Ostdeutschland spürbar sinken. Technologieorientierte Gründungen bleiben weiterhin auf wenige urbane Zentren konzentriert. 

Als Antwort darauf formuliert der Wettbewerbsreport eine klare Agenda. Investitionen sollen durch bessere steuerliche Anreize und erleichterte Finanzierungsmöglichkeiten gestärkt werden. Hochschulen, Forschungseinrichtungen und mittelständische Unternehmen sollen enger zusammenarbeiten, um vorhandene Innovationspotenziale stärker in marktfähige Produkte und Dienstleistungen zu überführen. 

Vorstellung des Wettbewerbsreports: Achim Oelgarth

Diskussion: “Investieren in die neue Ordnung”

Ein vom OstBV verantworteter Schwerpunkt des Wettbewerbsreports beschäftigt sich mit der Vermögenssituation in Ostdeutschland*. Die Analyse zeigt, dass die Vermögensunterschiede zwischen Ost und West auch mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung erheblich bleiben. Ostdeutsche Haushalte besitzen im Median lediglich rund ein Viertel des Vermögens westdeutscher Haushalte. 

Die Autoren bezeichnen Vermögen als ein „ökonomisches Sprungbrett“. Vermögen schafft Sicherheit, ermöglicht Investitionen, erleichtert Unternehmensgründungen und verbessert individuelle Aufstiegschancen. Fehlt dieses finanzielle Polster, wirken wirtschaftliche Risiken stärker und gesellschaftliche Ungleichheiten können sich über Generationen hinweg verfestigen.

Die Ursachen der Vermögenslücke sind vielfältig. Nach wie vor liegen die Einkommen in Ostdeutschland unter dem westdeutschen Niveau. Dadurch fällt auch die Sparquote geringer aus. Hinzu kommen niedrigere Erbschaften und Schenkungen. Auch die Eigentumsquote bei Wohnimmobilien ist geringer. Nur knapp 35 Prozent der Haushalte verfügen über Wohneigentum, im Westen sind es mehr als 46 Prozent.

Darüber hinaus sind Unternehmensvermögen und kapitalmarktnahe Anlagen in Ostdeutschland weniger verbreitet. Viele Haushalte beteiligen sich seltener am Kapitalmarkt und profitieren deshalb weniger von langfristigen Wertsteigerungen. Gleichzeitig wird eine stärkere Risikoaversion festgestellt.

Die geplante staatlich unterstützte Frühstartrente für Kinder gehe in die richtige Richtung. Eine Stärkung der betrieblichen Altersvorsorge sowie eine deutlich bessere Finanzbildung müssen folgen. Insbesondere wirtschaftliche Grundkenntnisse sollen künftig verbindlicher Bestandteil schulischer Bildung werden. Ziel ist es, mehr Menschen den Zugang zu Kapitalmärkten und langfristigem Vermögensaufbau zu ermöglichen. 

Mehr erfahren:

*Die Ergebnisse des Vermögensteils aus dem Wettbewerbsreport Ostdeutschland 2026 sind zusammengefasst in einem Bankenblick, der hier aufgerufen werden kann.

Achim Oelgarth
Geschäftsführender Vorstand
Ostdeutscher Bankenverband e.V.

Veröffentlicht: 4. Juni 2026

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